Teil eines Planetensystems

Neue Details über Komet 3I/ATLAS erstaunen Forscher

Chemische Fingerabdrücke des vorbeirasenden Kometen enthüllen erstaunliche Details seiner Entstehungsgeschichte: Er ist viel älter als unsere Sonne.
Roman Palman
07.07.2026, 08:35
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Sein Besuch war eine Seltenheit: 3l/Atlas ist erst der dritte interstellare Komet, der beim Transit durch unser Sonnensystem dokumentiert werden konnte. Seine frühzeitige Entdeckung im Juli 2025 war ein Glücksfall für die Wissenschaft.

So konnten ihn große Teleskope bereits bei der Annäherung ins Visier nehmen und die Bildung seines charakteristischen Schweifs lange beobachten. Die dabei durchgeführten Isotopenmessungen bieten jetzt einen einzigartigen Einblick in die Entstehungsgeschichte von 3I/Atlas.

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"Einerseits erhalten wir einen direkten Einblick in diese ferne Zeit und diesen fernen Ort, und andererseits erfahren wir etwas darüber, wie außergewöhnlich unser eigenes Sonnensystem möglicherweise ist", erklärt der Astrochemiker Martin Cordiner vom Goddard Space Flight Center der NASA.

Schnell wurde ihm und seinem Team klar: 3I/Atlas' elementare Zusammensetzung gleicht keinem anderen Himmelskörper unseres Sonnensystems.

Chemische Fingerabdrücke

In seinem Wassergehalt wurde dreißigmal mehr Deuterium festgestellt als bei anderen bekannten Kometen. Deuterium (2H) ist die schwere Form des Wasserstoffs. "Diese hohe Konzentration kann nach unserem Verständnis der Astrochemie eigentlich nur in einer sehr kalten Umgebung entstehen", sagt Cordiner.

Während seiner Entstehung war das Material, aus dem sich 3I/Atlas bildete, wahrscheinlich zwar reichlich Strahlung ausgesetzt, jedoch keiner langfristigen Wärmeeinwirkung. Sonst wäre daraus jene Art von H₂O-Eis entstanden, wie wir es auf der Erde kennen.

Einen weiteren Hinweis lieferte das Verhältnis der Kohlenstoff-Isotope. 13C war im Vergleich zum leichteren 12C nur in Spuren vorhanden. Vergleichbare Werte sind weder in unserem eigenen Sonnensystem noch in den umliegenden interstellaren Wolken oder protoplanetaren Scheiben zu finden. Unsere Ecke ist dafür einfach zu jung.

Die Entstehungsgeschichte des Universums: 3I/Atlas entstand wohl vor 10 bis 12 Milliarden Jahren, zum Zeitpunkt der Galaxie- und Sternengeburten.
ESA, CC BY-SA 3.0 IGO

Cordiners Forschungsteam schätzt, dass sich 3I/Atlas bereits vor 10 bis 12 Milliarden Jahren gebildet haben könnte – er wäre damit mehr als doppelt so alt wie unser eigenes Sonnensystem. "3I/ATLAS stellt somit ein erhaltenes Fragment eines uralten Planetensystems dar."

Zum selben Schluss kam auch eine andere Gruppe von Wissenschafter rund um Astronomin Cyrielle Opitom von der Universität Edinburgh: "Die Messungen stehen im Einklang mit der Annahme, dass 3I aus der äußeren Scheibe um einen älteren Stern mit geringer Metallizität stammt". Heißt: Atlas' Ursprungsstern wies nur einen geringeren Anteil an Elementen auf, die schwerer als Wasserstoff und Helium sind.

3I/Atlas dürfte somit ein Relikt jener Phase des Universums sein, als rund 2 Milliarden Jahre nach dem Urknall die Sternentstehung ihren Höhepunkt erreichte. Sein ursprünglicher Geburtsort befand sich wahrscheinlich in einer relativ kalten, dichten Wolke. Der Deuterium-Gehalt spricht zudem dafür, dass er seine erste Zeit in einem tiefgefrorenen Zustand verbrachte.

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