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Neue Dino-Schau im Naturhistorischen Museum

Sechs Meter lang, 310 Knochen: Das Skelett des Plateosauriers ist ab 20. Oktober in einer Sonderausstellung zu sehen.

Sabine Primes
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Kaum Unterschied: 60 Prozent der Knochen sind original, 40 Prozent aus dem 3D-Drucker.
Kaum Unterschied: 60 Prozent der Knochen sind original, 40 Prozent aus dem 3D-Drucker.
ALEX HALADA / picturedesk.com

Nach rund 15.000 Arbeitsstunden kann das Naturhistorische Museum Wien (NHM) seine neue Sehenswürdigkeit präsentieren: Die Überreste eines 210 Millionen Jahre alten Plateosauriers. Am Ende der aufwendigen Restaurierung ist das Skelett aufgestellt. 40 Prozent der Knochen kommen aus dem 3D-Drucker, der Rest stammt als Bausatz vom Sauriermuseum Frick in der Schweiz.

Früher Vertreter der Dinosaurier

Plateosaurus trossingensis war ein bis zu acht Meter langer Pflanzenfresser, der während der Trias-Zeit lebte. Er gilt als Vorläufer der riesigen Sauropoden, den größten Landtieren, die jemals die Erde besiedelten. Mit seinem Auftreten vor rund 235 Millionen Jahren ist er einer der frühesten Vertreter der Dinosaurier. Knochen wurden bereits im 19. Jahrhundert in der Schweiz und Deutschland gefunden.

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    ALEX HALADA / picturedesk.com

    Überreste von zwei Tieren

    Auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Frick im Schweizer Kanton Aargau liegt eine der bedeutendsten Fundstellen von Sauriern aus der Trias-Zeit in Europa. Das NHM konnte sich vor rund drei Jahren über die Dauerleihgabe der Überreste eines rund 210 Millionen Jahre alten Vertreters der Plateosaurier freuen. Die Wissenschaftler erhielten sogar die Überreste von zwei Individuen, um das Fehlen von Knochen ausgleichen zu können. Letztlich setzte man nun ein fast sechs Meter langes Tier zusammen, das aus 310 einzelnen Knochen besteht.

    Aus der Schweiz bekam man 2018 viele Gesteinspakete, in denen sich die Überbleibsel der beiden Tiere befanden. "Am Anfang war es durchaus nicht absehbar, ob wir das Skelett so schön aufbauen können", erklärte der Leiter der Geologisch-Paläontologischen Abteilung am NHM, Mathias Harzhauser, im Gespräch mit der APA. Das Gros der nun bald öffentlich zugänglichen Gebeine stammt von einem Tier, nur acht Knochen borgte man sich vom zweiten einstigen Pflanzenfresser aus. Immerhin 39 Prozent der Überreste waren allerdings zum Beispiel derart verformt, dass man sie nicht ins neu präparierte Skelett einfügen konnte oder sie fehlten gänzlich. Sie wurden daher mit 3D-Drucktechnologie gezielt hergestellt und dann so bemalt, dass sie von den echten Knochen kaum zu unterscheiden sind. In der Ausstellung wird jedoch auf einem Panel gezeigt, welche Überreste authentisch sind und welche aus dem 21. Jahrhundert stammen.

    Wissenschaftliche Publikationen folgen

    61 Prozent Original-Knochen "ist wirklich sehr gut für ein ganzes Dinosaurierskelett", so Harzhauser. Der gesamte Prozess wurde wissenschaftlich in Form mehrerer Arbeiten begleitet, die noch der Publikation harren. Man nimmt nach neueren Erkenntnissen an, dass die Plateosaurier großteils auf den Hinterbeinen unterwegs waren, und sich nach Blättern streckten. Sie konnten aber auch auf vier Beinen gehen, so Harzhauser: "Der lange Schwanz diente als Balancestange."

    Das Tier dürfte vor unvorstellbar langer Zeit im Schlamm stecken geblieben sein. Die unteren Dino-Teile sind daher besser erhalten als die oberen Bereiche. Den Kopf haben dann vermutlich kleine Raubsaurier verschleppt. Dass sich andere Tiere am nunmehr Wiener Dino zu schaffen gemacht haben, lässt sich an einem 17 Millimeter großen, ausgebrochenen Zahn eines Räubers nachvollziehen. Der Schädelersatz ist daher ein Abguss eines Exemplars aus einem Stuttgarter Museum.

    Geschlecht unbekannt

    Man wisse zwar nicht, ob es sich bei dem Dino um ein Weibchen oder Männchen gehandelt hat. "Wir wissen aber, dass er um die 20 Jahre alt war, dass er ungefähr 1,5 Tonnen gewogen hat und 5,8 Meter lang war", so der Paläontologe. Der Aufbau gestaltete sich alles andere als trivial, denn für jeden einzelnen Knochen musste eine Halterung angefertigt werden. "Diese Knochen dürfen nicht hängen. Sie müssen gestützt werden, sonst würden sie zerbrechen", sagte Harzhauser. Letztlich handle es sich aufgrund des hohen Aufwandes um ein "teures Geschenk" aus der Schweiz, dafür aber "unterm Strich um eine Sensation".

    Ab 20. Oktober fungiert der neue Plateosaurier als einer der Höhepunkte der Sonderausstellung "KinoSaurier. Fantasie und Forschung" (bis 18. April 2022). In Kooperation mit dem Landesmuseum Hannover zeigt man hier, wie die ausgestorbenen Riesenechsen in Film und Fernsehen dargestellt werden.