Ein fast fünf Zentimeter großer Verwandter des heimischen Hirschkäfers ist in Griechenland entdeckt und als neue Art beschrieben worden. Es ist der erste neue europäische Vertreter der Gattung Lucanus seit 180 Jahren.
Auf den Käfer aufmerksam wurden Jonas Kristl, Volontär in der Käfersammlung des Naturhistorischen Museums Wien und Masterstudent an der Universität Wien, sowie sein französischer Freund Gaëtan Flocon. Beim Durchsehen von Fotos auf einer Plattform für Naturbeobachtungen entdeckten sie ein ungewöhnlich aussehendes Tier. Wie es in einer APA-OTS-Aussendung heißt, holten die beiden eine Sammelgenehmigung ein und fanden bei einer Reise weitere Exemplare.
Detaillierte Untersuchungen bestätigten den Verdacht: Der Käfer war bisher wissenschaftlich nicht beschrieben. Die beiden nannten die neue Art Lucanus apollon. Die Studie dazu ist in der Deutschen Entomologischen Zeitschrift erschienen. Fachleute des Naturhistorischen Museums Wien unterstützten die jungen Forscher bei ihrer Arbeit mit der umfangreichen Käfersammlung des Museums.
Der heimische Hirschkäfer (Lucanus cervus) ist wegen seiner Größe und der auffälligen Mundwerkzeuge der Männchen vielen bekannt. Dass in Europa noch ein fast fünf Zentimeter großer Verwandter entdeckt werden könnte, galt als äußerst unwahrscheinlich. Die Insekten- und Käferwelt des Kontinents gilt als gut erforscht. Besonders bei größeren Käfern wie Hirsch-, Lauf- oder Bockkäfern rechnen Fachleute nur selten mit bislang unbekannten Arten.
Weltweit sind derzeit rund 1,2 Millionen Insektenarten wissenschaftlich beschrieben, darunter etwa 400.000 Käferarten. Insgesamt dürfte es laut Fachleuten weit über eine Million Käferarten geben, möglicherweise sogar 1,5 Millionen. Vor allem in tropischen Regenwäldern werden noch zahlreiche unentdeckte Arten vermutet.
Matthias Seidel, der das Autorenteam betreut hat, sagt: "Ich freue mich über die vielen Ehrenamtlichen, die in der Sammlung arbeiten. Sie leisten wichtige Beiträge für die Erforschung der Käfer." Die Entdeckung zeige auch, dass sich ein genauer Blick auf Naturbeobachtungen und Museumssammlungen lohnen kann.