Erstes Land zieht Reißleine

Weltkarte könnte bald ganz anders aussehen

Die UNO will Schluss mit einer jahrhundertealten Karten-Verzerrung machen: Afrika soll künftig so groß erscheinen, wie der Kontinent tatsächlich ist.
Heute Life
08.09.2026, 18:16
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Die Mercator-Weltkarte, die fast jeder kennt, zeigt die Welt – aber nicht so, wie sie tatsächlich aussieht. Damit soll nun Schluss sein. Die UNO-Generalversammlung hat mit überwältigender Mehrheit für eine Resolution gestimmt, die eine realistischere Darstellung der Kontinente fördern soll.

164 Staaten stimmten dafür. Nur die USA legten sich quer und votierten dagegen. Sechs Länder enthielten sich. Eine Weltkarte wird dadurch allerdings nicht weltweit ausgetauscht. Die Resolution ist nicht bindend. Sie schreibt auch keine bestimmte Projektion vor.

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Afrika auf der Karte ein Zwerg

Die sogenannte Mercator-Projektion wurde 1569 vom flämischen Kartografen Gerhard Mercator entwickelt – ursprünglich für die Navigation auf See. Das Problem: Je näher eine Region an den Polen liegt, desto stärker wird sie auf der flachen Karte vergrößert.

Afrika hingegen liegt großteils nahe am Äquator und wirkt dadurch deutlich kleiner, als es tatsächlich ist. Besonders drastisch wird der Vergleich mit Grönland: Auf vielen Weltkarten erscheinen beide Landmassen annähernd ähnlich groß. In Wahrheit ist Afrika rund 14-mal größer als Grönland.

Bereits seit Längerem setzt sich die Afrikanische Union für eine realistischere Darstellung des Kontinents ein. Ihr Argument: Eine Karte zeigt nicht nur Geografie – sie kann auch beeinflussen, wie Menschen die Welt und ihre Bedeutung darin wahrnehmen. Die AU hat deshalb die Equal-Earth-Projektion übernommen.

Equal Earth statt Mercator

Das empfiehlt auch die UNO. Die Equal-Earth-Projektion wurde 2018 entwickelt und versucht, die tatsächlichen Flächenverhältnisse der Kontinente besser abzubilden. Auch andere Modelle wie die Gall-Peters-Projektion stehen zur Verfügung. Jede Kartenprojektion hat ihre eigenen Vor- und Nachteile – eine vollkommen verzerrungsfreie Weltkarte auf einer flachen Fläche gibt es nicht.

Eine neue Weltkarte soll zeigen, wie groß Afrika und andere Kontinente tatsächlich sind.
APA-Images / AFP / Equal Earth

Die UN-Resolution richtet sich ausdrücklich auch an Bildungseinrichtungen. Schülerinnen und Schüler sollen stärker verstehen, dass jede Weltkarte eine bestimmte Perspektive auf die Erde erzeugt und ihre eigenen Grenzen hat.

Paris als Vorreiter

Frankreich reagierte unmittelbar auf die internationale Debatte. Außenminister Jean-Noël Barrot kündigte an, das Außenministerium werde die Mercator-Projektion in seinen diplomatischen Anwendungen aufgeben. Stattdessen soll Eckert IV zum Einsatz kommen – ebenfalls eine flächentreue Projektion.

Allerdings kann auch eine neue Karte das Problem der Verzerrung nicht endgültig lösen. Der Grund ist simpel: Die Erde ist annähernd kugelförmig – eine Karte ist flach. Wer eine Kugel auf einer Ebene darstellen will, muss zwangsläufig Kompromisse eingehen. Mal werden Flächen verzerrt, mal Formen, Entfernungen oder Richtungen. Eine Projektion kann deshalb nie gleichzeitig alles perfekt abbilden.

{title && {title} } red, {title && {title} } 08.09.2026, 18:16
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