Wie groß ist Afrika? Diese Frage sollte sich eigentlich durch einen Blick auf die Landkarte oder in den Atlas richtig beantworten lassen. Doch ob das klappt, ist vom Kartenanbieter abhängig. So erscheinen etwa Grönland und Afrika auf der sogenannten Mercator-Karte gleich groß, was nicht den Tatsachen entspricht.
Kritik daran ist nicht neu, aber derzeit findet mit "Correct The Map" eine Kampagne afrikanischer Interessengruppen im Internet großen Zulauf. Mit dieser werden Organisationen und Schulen aufgefordert, statt der Mercator-Karten die Equal-Earth-Projektion zu verwenden. Auf der Equal-Earth-Kartenprojektion, die die Kontinente in ihren wahren Proportionen darstellt, würde Grönland dagegen 14 Mal problemlos in den afrikanischen Kontinent passen. Die Afrikanische Union mit ihren 55 Mitgliedsländern unterstützt das Vorhaben.
Die Mercator-Karte wurde im 16. Jahrhundert vom flämischen Kartografen Gerardus Mercator ausgearbeitet. Sie sollte europäischen Seefahren bei der Navigation helfen und ist weltweit eine der beliebtesten Kartenabbildungen.
Doch auf ihr ist die Größe der Kontinente verzerrt dargestellt: Die Gebiete in der Nähe der Pole wie Nordamerika und Grönland sind vergrößert, während Afrika und Südamerika verkleinert wurden.
"Es mag nur eine Karte sein, aber in Wirklichkeit ist es viel mehr", so Selma Malika Haddadi, stellvertretende Vorsitzende der Kommission der Afrikanischen Union, zur Nachrichtenagentur Reuters. Dadurch entstehe der falsche Eindruck, dass Afrika "randständig" sei. Dabei sei es flächenmäßig nach Asien der zweitgrößte Kontinent der Welt mit über einer Milliarde Einwohnern. Haddadi unterstützt die afrikanischen Initiativen, die sich für eine korrekte Darstellung der Verhältnisse einsetzen. Denn solche Stereotypen beeinflussten die Medien, die Bildung und die Politik.
Ja. Die Mercator-Projektion ist in Schulen und auf technischen Plattformen noch immer weit verbreitet. Google Maps verzichtet jedoch auf das weit verbreitete Kartenmodell und setzt stattdessen seit 2018 auf Desktop-Computern auf einen 3D-Globus. Nutzerinnen und Nutzer können jedoch zur alten Karte zurückkehren. Die mobile App verwendet weiterhin standardmäßig die Mercator-Projektion.
Es sind die Interessengruppen Africa No Filter und Speak Up Africa. Sie starteten die Kampagne im April. "Die Korrektur der Karte ist nicht nur ein afrikanisches Problem", sagte die Mitgründerin und stellvertretende Geschäftsführerin von Speak Up Africa, Fara Ndiaye. Es geht um Wahrheit und Genauigkeit. "Wenn ganze Generationen, in Afrika und anderswo, von einer verzerrten Karte lernen, entwickeln sie ein verzerrtes Bild von Afrikas Rolle in der Welt." Die verkleinerte Darstellung Afrikas minimiert seine demografische, wirtschaftliche und strategische Bedeutung.
Noch deutlicher wird Moky Makura von Africa No Filter: "Es ist die weltweit längste Desinformationskampagne und sie muss einfach aufhören."
Mark Monmonier, Professor für Geografie an der Syracuse University im US-Bundesstaat New York, erklärte, die Mercator-Projektion sei überholt, und Geografen rieten seit langem davon ab, sie als Weltkarte zu verwenden. "Sie war im 16. Jahrhundert ein nützliches Navigationsinstrument, weil sie gerade Linien aufweist und den Seefahrern so eine konstante Richtung zum Segeln bietet", sagte Monmonier. Außerhalb dieses sehr engen Navigationsbereichs seien sie jedoch ungeeignet.