DNA-Beweis

Streit geschlichtet: Diese Habichte sind zwei Arten

Neue Genanalysen des NHM Wien zeigen: Eurasischer und amerikanischer Habicht sind zwei eigenständige Arten.
Heute Tierisch
30.09.2026, 12:57
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Sie sehen sich verblüffend ähnlich, leben in vergleichbaren Lebensräumen und galten lange als eine einzige Art. Doch genetisch trennen den Eurasischen und den Amerikanischen Habicht Welten. Eine neue Studie des Naturhistorischen Museums Wien und der Universität für Bodenkultur Wien liefert nun den entscheidenden Beweis: Astur gentilis und Astur atricapillus sind zwei eigenständige Arten.

Für die Untersuchung analysierten die Forscherinnen und Forscher genomweite Daten von mehr als 50 Vögeln. Dabei wurden mehrere zehntausend genetische Merkmale, sogenannte SNPs, untersucht. Das Besondere: Ein Großteil der DNA stammt aus historischen Präparaten naturkundlicher Sammlungen.

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Überraschende Verwandtschaft

Das Ergebnis sorgt auch deshalb für Aufsehen, weil die beiden Habichte trotz ihres ähnlichen Aussehens genetisch keineswegs besonders eng miteinander verwandt sind.

Der Eurasische Habicht, der auch in Österreich mit mehr als 1000 Brutpaaren verbreitet ist, steht genetisch sogar den untersuchten Habichtarten aus Afrika und Madagaskar näher als seinem amerikanischen Verwandten.

„Unsere genomischen Analysen zeigen, dass Eurasischer und Amerikanischer Habicht nicht nur geographisch, sondern auch genetisch klar getrennte Linien darstellen.“

"Unsere genomischen Analysen zeigen, dass Eurasischer und Amerikanischer Habicht nicht nur geographisch, sondern auch genetisch klar getrennte Linien darstellen", sagt Studienerstautor Florian Kunz. Die deutliche genetische Trennung bestätige, dass es sich um zwei eigenständige Arten handelt, so Kunz. Die Erkenntnis habe "unmittelbare Konsequenzen für Taxonomie, Naturschutz und Rechtslage".

Alte Frage, neue Methoden

Die Frage beschäftigt die Wissenschaft seit Jahrzehnten. Bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden die beiden Formen teilweise als getrennte Arten geführt. Später setzte sich jedoch die Auffassung durch, dass es sich um eine einzige, weit über die Nordhalbkugel verbreitete Art handelt.

Neue Untersuchungen brachten Bewegung in die Debatte. Bereits 2019 hatte eine am Naturhistorischen Museum Wien entstandene Studie mithilfe mitochondrialer DNA Unterschiede zwischen den Populationen aufgezeigt. Hinzu kamen bioakustische Untersuchungen.

Nun liefert die Analyse des gesamten Erbguts zusätzliche Belege – und schließt damit eine zentrale Wissenslücke.

Museumsexponate liefern die DNA

Möglich wurde die Untersuchung durch den sogenannten Museomics-Ansatz. Dabei werden historische Sammlungsobjekte für moderne genetische Forschung genutzt.

Bälge verschiedener Habichte, wie sie am Naturhistorischen Museum aus verschiedenen Funden aufgearbeitet und gesammelt werden. Sammlungen solcher Art sind für die Wissenschaft von großem Wert, um verschiedenste Fragestellungen zu beantworten, ohne freilebende Tiere zu beeinträchtigen. Abgebildet sind die Unterseite eines österreichischen (a) und eines nordamerikanischen Habichts (b) sowie die Oberseite eines griechischen (c) und eines sibirischen (d) Habichts.
NHM Wien/ Florian Kunz

Für die aktuelle Studie wurden Habichtpräparate aus dem NHM Wien und weiteren naturkundlichen Sammlungen beprobt. Insgesamt flossen mehr als 50 geografisch und taxonomisch ausgewählte Vögel in die Untersuchung ein.

"Wie wir Arten abgrenzen, ist keine rein akademische Frage", betont Ko-Erstautorin Min Chai. "Artkonzepte haben direkte Auswirkungen darauf, wie wir Biodiversität erfassen, wie wir Populationen schützen und welche rechtlichen Instrumente greifen."

red,30.09.2026, 12:57