Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat die aktuelle Situation der österreichischen Grundwasserstände mit Ende April analysiert. Das Bild ist alarmierend: Rund 70 Prozent aller 227 Messstellen zeigen einen niedrigen oder sogar sehr niedrigen Grundwasserstand auf.
Bei mehr als jeder zehnten Messstelle liegt der Wasserstand so niedrig wie Ende April noch nie. Das zu niedrige Grundwasser ist eine direkte Folge des viel zu trockenen letzten halben Jahres: In fünf der letzten sechs Monate hat es zu wenig geregnet oder geschneit. Teils fiel nur ein Drittel der üblichen Menge. Der regnerische Februar konnte dieses Defizit nicht ansatzweise ausgleichen. Besonders betroffen sind Oberösterreich, Salzburg und Kärnten.
"Unsere Natur trocknet aus. Nach einem dürren Winter erleben wir nun einen extrem trockenen Frühling. Doch das ist längst keine Ausnahme mehr, sondern die neue Realität. Österreich ist auf dieses Szenario schlichtweg nicht gut vorbereitet", warnt Sebastian Theissing-Matei, Wasserexperte bei Greenpeace. Er fordert deshalb die Bundesregierung zu dringendem Handeln auf.
Grundwasser ist nicht nur die wichtigste Trinkwasserquelle, sondern auch unerlässlich für Landwirtschaft und Industrie. Der Schutz des Grundwassers müsse daher "oberste Priorität" haben, betonen die Umweltschützer: "Höchst besorgniserregend" seien deshalb auch die Bemühungen, die EU-Wasserrahmenrichtlinie abzuschwächen.
Greenpeace warnt eindringlich: "Die Aufweichung des Wasserschutzes wäre ein fataler Fehler. Das bestehende EU-Wasserschutzrecht ist ein erprobtes und unverzichtbares Schutzschild für unsere Flüsse und das Grundwasser."
Weiters fordert Greenpeace, das im Regierungsprogramm angekündigte Wasserentnahme-Register jetzt endlich rasch umzusetzen. Nur so könnte man erstmals sehen, wie viel Grundwasser Industrie und Landwirtschaft in Österreich wirklich verbrauchen. Bisher fehlt diese Transparenz.