Wer glaubt, Betrugsversuche im Internet würden nur vereinzelt auftreten, dürfte von den Ergebnissen eines neuen Berichts überrascht sein. Die Sicherheitsforscher von Bitdefender haben für ihren "Global Scam Intelligence Report 2026" das weltweite Betrugsgeschehen der vergangenen zwölf Monate untersucht. Das Ergebnis zeichnet das Bild einer hochprofessionellen und international vernetzten Industrie, die über nahezu jeden digitalen Kommunikationsweg Menschen zu täuschen versucht. Dem Bericht zufolge beschränken sich Kriminelle längst nicht mehr auf klassische Phishing-Mails.
Stattdessen greifen sie potenzielle Opfer über SMS, Messenger-Dienste, soziale Netzwerke, Online-Werbung und Telefonanrufe an. Das Ziel bleibt dabei nahezu immer gleich: Die Betroffenen sollen unter Zeitdruck handeln und Geld überweisen, Zugangsdaten preisgeben oder persönliche Informationen offenlegen. Die Experten sprechen von einer Entwicklung, bei der digitaler Betrug zu einem plattformübergreifenden Geschäft geworden sei. Die Täter würden ihre Strategien laufend an neue Gewohnheiten der Nutzer anpassen und gezielt dort aktiv werden, wo Menschen ihre Zeit verbringen.
Besonders auffällig ist laut Untersuchung die Altersverteilung der Opfer. Während bei Menschen über 55 Jahren 9,7 Prozent angaben, innerhalb des vergangenen Jahres Opfer eines Betrugs geworden zu sein, lag dieser Wert bei den unter 35-Jährigen bei 20 Prozent. Damit sind jüngere Nutzer mehr als doppelt so häufig betroffen. Die Forscher führen das unter anderem darauf zurück, dass Betrüger verstärkt auf Plattformen aktiv sind, die bei jüngeren Menschen besonders beliebt sind.
Dazu zählen soziale Netzwerke, Gaming-Plattformen und Messenger-Dienste. Dort versuchen die Täter, Vertrauen aufzubauen oder mit vermeintlich attraktiven Angeboten Aufmerksamkeit zu erzeugen. Für die Untersuchung wurden unter anderem die Ergebnisse einer unabhängigen Befragung von 7.000 Nutzern weltweit ausgewertet. Insgesamt gab rund jeder siebte Teilnehmer – also 14 Prozent – an, innerhalb eines Jahres auf einen Betrug hereingefallen zu sein.
Ein weiterer Schwerpunkt des Berichts liegt auf Kurznachrichten. SMS genießen bei vielen Menschen noch immer einen gewissen Vertrauensvorschuss. Genau diesen Umstand machen sich Betrüger offenbar zunutze. Die Analyse ergab, dass 5,2 Prozent aller untersuchten SMS Hinweise auf organisierte Betrugsaktivitäten aufwiesen. Anders ausgedrückt: Etwa jede zwanzigste Nachricht zeigte Merkmale, die auf koordinierte Scam-Kampagnen hindeuten. Die Täter nutzen dabei unterschiedlichste Vorwände. Mal geben sie sich als Paketdienst aus, mal als Bank oder Behörde.
Häufig enthalten die Nachrichten Links, über die Nutzer auf gefälschte Webseiten gelockt werden sollen. Dort versuchen Kriminelle anschließend, Passwörter, Kreditkartendaten oder andere persönliche Informationen abzugreifen. Auch klassische Telefonanrufe bleiben für Betrüger offenbar ein lukratives Geschäft. Die Bitdefender Labs untersuchten nach eigenen Angaben rund 150 Millionen eingehende Anrufe auf geschützten Geräten.
Von diesen wurden 23 Millionen als betrügerisch oder unerwünscht eingestuft. Damit war etwa jeder sechste Anruf verdächtig. Insgesamt analysierten die Forscher mehr als 52 Millionen unterschiedliche Telefonnummern. Besonders bemerkenswert: Rund 500.000 Nummern wurden mit Anrufen in Verbindung gebracht, die von Nutzern als unerwünscht gekennzeichnet wurden. Das zeigt laut den Autoren des Berichts, in welchem Ausmaß organisierte Anrufkampagnen inzwischen betrieben werden.
Unabhängig davon, über welchen Kanal Betrüger Kontakt aufnehmen, geht es meist um Geld. Der Bericht nennt Anlagebetrug, das Abgreifen von Bankdaten sowie Kryptowährungs-Betrug als die häufigsten Methoden. Ob per SMS, WhatsApp-Nachricht, E-Mail, Telefonat oder Werbeanzeige in sozialen Netzwerken – die Vorgehensweisen unterscheiden sich zwar je nach Plattform, verfolgen aber dasselbe Ziel. Nutzer sollen möglichst schnell reagieren, ohne die Situation kritisch zu hinterfragen.
Nach Schätzungen der Global Anti-Scams Alliance (GASA) und des Finanztechnologie-Unternehmens Feedzai beliefen sich die weltweiten Schäden durch Betrugsfälle im Jahr 2025 auf rund eine halbe Milliarde US-Dollar. Die tatsächliche Summe könnte laut Experten sogar noch höher liegen, da viele Fälle nie gemeldet werden. Für den Bericht wurden nach Angaben von Bitdefender Informationen aus Billionen von Internetadressen, Milliarden Nachrichten sowie Daten aus Werbeökosystemen und speziellen Telefon-Honeypots ausgewertet. Zusätzlich flossen Meldungen betroffener Nutzer in die Untersuchung ein.
Dadurch sollte ein möglichst umfassendes Bild darüber entstehen, wie moderne Betrugskampagnen aufgebaut sind und wie sie sich über verschiedene Plattformen hinweg verbreiten. Die Auswertung dokumentiert dabei nicht nur einzelne Vorfälle, sondern auch die Strukturen und Verhaltensmuster der Täter. Ciprian Istrate, Senior Vice President of Operations der Consumer Solutions Group bei Bitdefender, warnt vor den Folgen der Entwicklung: "Angesichts schnell wachsender und immer komplexerer Mechanismen für Online-Betrug haben Endverbraucher zunehmend Schwierigkeiten, ihr digitales Leben zu schützen."
Besonders problematisch sei, dass viele Menschen die Gefahr unterschätzen würden. "Scam mag sich für manche Zuhörer scheinbar harmlos anhören – die Konsequenzen sind alles andere als geringfügig: Identitätsdiebstahl, finanzieller Schaden und globale Offenlegung von Daten." Der neue Bericht macht deutlich, dass digitaler Betrug längst kein Randphänomen mehr ist. Ob per Telefon, SMS oder über soziale Netzwerke – Kriminelle versuchen heute auf nahezu jedem digitalen Kanal, an Geld oder sensible Daten zu gelangen. Die Zahlen zeigen dabei vor allem eines: Niemand ist automatisch vor solchen Angriffen geschützt.