Produkterpressungen, Banküberfälle, aber auch völlig neue Bedrohungen: Österreichs ehemaliger Staatsschutzchef Omar Haijawi-Pirchner sieht Veränderungen bei der Kriminalität. Neben neuen Methoden würden auch Delikte wieder auftauchen, die zuletzt weniger im Fokus standen.
Haijawi-Pirchner war bis Jahresbeginn Chef des Staatsschutzes und berät mittlerweile Unternehmen im Sicherheitsbereich. Im Interview mit den Salzburger Nachrichten (SN) spricht er über die aktuelle Bedrohungslage und erklärt, warum gerade Erpressungen wieder zum Thema werden.
Als Grund nennt der Sicherheitsexperte unter anderem die wirtschaftliche Lage in Europa und die finanzielle Situation einzelner Menschen.
"Das ist genau die Krux an der Sache, dass neue Methoden, hybride Methoden immer mehr in den Fokus kommen durch die geopolitischen Entwicklungen, aber gleichzeitig durch die wirtschaftliche Lage in Europa und die finanzielle Lage einzelner Menschen auch alte Kriminalitätsformen zu beobachten sind, die wieder zurückkommen", sagt Haijawi-Pirchner den "Salzburger Nachrichten".
Besonders Produkterpressungen könnten nach Einschätzung des früheren Staatsschutzchefs wieder an Bedeutung gewinnen.
"Man sieht das bei Erpressungen, gerade die Produkterpressung, die in den letzten Jahren nicht so spürbar war, ist offenbar am Weg retour. Vielleicht ist das Nächste, das zurückkommt, der Banküberfall", sagt Haijawi-Pirchner den "Salzburger Nachrichten".
Wie ernst Produkterpressungen werden können, zeigte zuletzt der Fall Hipp. Im April wurden mit Rattengift kontaminierte Gläser in Supermärkten platziert, darunter in einem Spar-Markt in Eisenstadt. Der Täter forderte zwei Millionen Euro in Kryptowährungen.
Anfang Mai wurde ein 39-jähriger ehemaliger Mitarbeiter festgenommen. Er befindet sich laut dem Bericht weiterhin in Untersuchungshaft. Eine Anklage liegt noch nicht vor. Die Staatsanwaltschaft bestätigte gegenüber den "Salzburger Nachrichten", dass Haijawi-Pirchner in den Fall "involviert" war.
Er selbst hält sich zu seiner Rolle bedeckt: "Es wurde medial berichtet, dass ich in der Sache Hipp involviert war. Ich kann das weder bestätigen noch dementieren. Diskretion ist in meinem Job das oberste Gebot."
Ein weiteres Risiko sieht Haijawi-Pirchner bei sogenannten Innentätern. Einzelne Personen könnten sich aus unterschiedlichen Gründen dazu entscheiden, einem Unternehmen zu schaden.
"Ohne hier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter irgendwie unter einen Generalverdacht stellen zu wollen, wir sehen schon, dass es immer wieder Fälle gibt, wo einzelne Personen sich entscheiden, aufgrund irgendwelcher Vorfälle, die vielleicht in der Vergangenheit liegen, einem Unternehmen schaden zu wollen", erklärt Haijawi-Pirchner den "Salzburger Nachrichten".
Insider würden laut dem Sicherheitsexperten bei mehreren Kriminalitätsformen zunehmend zur Gefahr. Dazu zählt er Spionage, organisierte Kriminalität und die Weitergabe von Informationen.
Unternehmen könnten sich darauf vorbereiten, indem sie etwa genau festlegen, wer Zugang zu sensiblen Räumen oder Daten bekommt. Auch für mögliche Krisen sollten Zuständigkeiten und Abläufe bereits im Vorfeld geklärt werden.