NS-Vergangenheit

Spitze abgetragen: Österreich hat einen 3.000er weniger

Ein Gipfel in den Hohen Tauern verliert Namen und 3.000er-Status. Grund dafür ist die NS-Vergangenheit seines Namensgebers.
Newsdesk Heute
29.08.2026, 09:10
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Ein kleines Gipfelschild verschwindet – und damit zumindest symbolisch auch ein österreichischer 3.000er. Der Alpenverein Salzburg hat am Freitag das Schild des sogenannten "Pillewizer" in der Venedigergruppe entfernt. Die Erhebung über dem Obersulzbachtal soll künftig wieder namenlos sein.

Der Hintergrund ist ernst: Namensgeber Wolfgang Pillewizer war ein Geograph, Kartograph und Gletscherforscher, dessen Vergangenheit im Nationalsozialismus lange kaum thematisiert wurde. Der Alpenverein will diese personenbezogene Ehrung nun nicht mehr aufrechterhalten.

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"Manchmal erzählt ein kleines Gipfelschild eine erstaunlich große Geschichte", erklärt Gerd Frühwirth, Vorsitzender der Alpenvereinssektion Salzburg. Mit der Entfernung distanziere sich der Verein von einer Ehrung, die nicht mit seiner Haltung für eine offene und inklusive Gesellschaft übereinstimme.

Pillewizer arbeitete schon 1936 in der Alpenvereinskartographie mit und beschäftigte sich wissenschaftlich intensiv mit Hochgebirgskartographie und Gletscherforschung. Dabei führte ihn seine Arbeit auch in die Venedigergruppe.

Gipfel künstlich aufgeschüttet

Kurios ist allerdings, wie aus der zuvor namenlosen Erhebung überhaupt ein vermeintlicher 3.000er wurde. Als sie 1988 den Namen "Pillewizer" erhielt, lag der höchste Punkt offenbar unter der prestigeträchtigen Marke. Bergsteiger trugen deshalb Steine auf den Gipfel und schichteten sie auf, um die 3.000 Meter zu erreichen.

Schon die Benennung war laut Recherchen der Historikerin und Alpenvereins-Vizepräsidentin Nicole Slupetzky damals umstritten. Auch die Salzburger Ortsnamenkommission äußerte sich kritisch, ließ sie letztlich aber zu.

Jetzt wurde nicht nur das Gipfelschild abmontiert. Auch die künstlich aufgeschichteten Steine wurden bei der Begehung symbolisch entfernt. Damit ist der "Pillewizer" seinen Namen und seine künstlich erreichte 3.000-Meter-Marke los.

Karten sollen folgen

"Ein Berg muss weder größer gemacht noch mit einem großen Namen versehen werden, um Bedeutung zu haben", sagt Slupetzky. Sein Wert liege in seiner Natur, Geschichte und in der Begegnung mit ihm.

Auch die Kürsinger-Hütte hatte den "Pillewizer" bisher als Tourenziel geführt. In den eigenen Touren- und Informationsangeboten will der Alpenverein die Bezeichnung nun überprüfen und entsprechend ändern.

Ganz erledigt ist die Sache damit allerdings noch nicht. Über die amtliche Führung geografischer Namen kann der Alpenverein nicht alleine entscheiden. Mit den zuständigen Stellen soll deshalb geklärt werden, wie der Personenname auch aus Karten und geografischen Datenbeständen verschwindet.

Der Berg kehrt damit gleich in doppelter Hinsicht zu seinem früheren Zustand zurück: namenlos und ohne künstlich aufgeschichtete 3.000 Meter.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 29.08.2026, 09:23, 29.08.2026, 09:10