Neue Virus-Mutation auch schon in Deutschland

Virologe Christian Drosten im Rahmen einer Pressekonferenz am 9. Oktober 2020
Virologe Christian Drosten im Rahmen einer Pressekonferenz am 9. Oktober 2020Markus Schreiber / AP / picturedesk.com
Nach Einschätzung des deutschen Virologen Christian Drosten hat sich die neue Virus-Variante wohl auch schon in unserem Nachbarland ausgebreitet.

"Es ist schon in Italien, in Holland, in Belgien, in Dänemark, sogar in Australien, warum sollte es nicht in Deutschland sein", erklärte der bekannte Forscher im "Deutschlandfunk". Trotzdem ist die neuste Mutation des Coronavirus für Drosten noch kein Grund zur Sorge: "Davon darf man sich jetzt auch wirklich nicht irgendwie aus der Ruhe bringen lassen".

Gleichzeitig wolle er aber auch nichts verharmlosen. In Großbritannien breitet sich das mutierte Virus derzeit stark aus, rund 60 Prozent der Neuinfektionen in London sollen im Dezember auf die neue Variante zurückzuführen sein. Die Briten reagierten darauf mit einem scharfen Lockdown für die Hauptstadt. 16 Millionen Menschen müssen Weihnachten ohne die Familie feiern, niemand darf mehr außer Haus.

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Allerdings hat die Virus-Mutation bereits den Sprung über den Ärmelkanal geschafft, wie auch Drosten anführte, wurde die neuartige Variante in zahlreichen Ländern nachgewiesen. Mindestens einer der 62 am Flughafen Hannover gestrandeten England-Passagiere wurde positiv auf das Coronavirus getestet, wie die "Bild" am Montagvormittag berichtet. Ob es sich um die neue Variante handelt, müssen weitere Tests klären.

Vieles ist aber noch unklar: Laut Drosten sollen bei der neuen Variante bisher zwei verstärkende und eine abschwächende Mutation festgestellt worden sein. Die Verbreitung könne ein Zufall sein und müsse nicht zwingend auf einen höheren Ansteckungsgrad hinweisen, so der Experte weiter. Aus Großbritannien heißt es, die Mutation sei um bis zu 70 Prozent ansteckender als der bisher dominierende Typ des Virus. Ob das tatsächlich der Fall ist, soll eine Auswertung, die diese Woche auf der Insel durchgeführt wird, zeigen.

Impfung soll auch vor Mutation schützen

Diese könnte auch die Frage klären, ob wirklich die neue Variante für den massiven Anstieg der Fallzahlen in London und Umgebung oder doch die teils lasche Disziplin bei der Einhaltung der Coronaregeln durch die Bürger verantwortlich ist. "Spült dieses Virus mit dieser Welle hoch, oder ist das Virus dafür verantwortlich, dass diese Welle entstanden ist?", theoretisiert Drosten. Seine Prognose: In anderen Ländern sei die entdeckte Mutation bisher nicht "hochgekocht", das werde in den meisten Staaten so bleiben.

Die internationalen Impfstrategien seien durch das Auftreten der neuen Variante aber nicht gefährdet. Die derzeitigen Vakzine würden voraussichtlich auch bei dieser Mutation wirken.

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