"Rohmilch hat meine Schwangerschaft gerettet", "Rohmilch ist gut für dich und deine Schwangerschaft" – solche Botschaften kursieren derzeit auf Social Media. Um ihre Überzeugung zu betonen, nehmen hochschwangere Userinnen einen großen Schluck der unbehandelten Milch.
Allerdings raten Fachleute Schwangeren eigentlich dringend vom Verzehr unbehandelter Milch ab. Der Grund: Rohmilch kann mit krankmachenden und potenziell tödlichen Keimen kontaminiert sein.
Bei Rohmilch handelt es sich um unbehandelte Milch von Nutztieren, wie Rindern, Schafen und Ziegen, die direkt an die Konsumentinnen und Konsumenten weitergegeben wird. Sie kann potenziell krankmachende Erreger enthalten. Diese können vom Milch gebenden Tier entweder direkt über die Milchdrüse ausgeschieden werden oder während des Melkens durch Hygienemängel in die Milch gelangen.
Das deutsche Bundesamt für Risikobewertung BfR nennt Salmonellen, Campylobacter oder Enterohämorragischen Escherichia coli (Ehec). Diese könnten zum Teil schwere Erkrankungen auslösen, vor allem bei empfindlichen Personen. "Kinder, Schwangere oder ältere und kranke Personen sollten daher grundsätzlich auf den Verzehr von nicht abgekochter Rohmilch verzichten", schreibt das BfR. Doch auch gesunde Erwachsene hätten beim Konsum von Rohmilch ein erhöhtes Risiko einer Lebensmittelinfektion.
Eine Studie des deutschen Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hat ergeben, dass rund zehn Prozent der untersuchten 360 Proben aus unbehandelter Milch multiresistente Bakterien enthalten, was die Behandlung von Infektionen zusätzlich erschweren kann.
Für Schwangere und ihre ungeborenen Kinder besonders problematisch sind allerdings Listerien. Diese können zu Tot-, Fehl- oder Frühgeburten oder auch schweren Missbildungen und Erkrankungen bei Neugeborenen führen.
Bei behandelter Milch handelt es sich in der Regel um wärmebehandelte Milch, bei der allfällige Keime abgetötet wurden und die, je nach Verfahren, länger haltbar ist:
Rohmilch-Fans argumentieren, dass bei der Wärmebehandlung wichtige Nährstoffe in der Milch verloren gingen. Laut Verbraucherportal Bayern ist der Gehalt an hitzeempfindlichen B-Vitaminen und Vitamin C in pasteurisierter Milch tatsächlich etwas niedriger. Der Verlust betrage zwischen null und 15 Prozent, bei hochpasteurisierter Milch liege er noch etwas höher. Ähnlich sei es bei Folsäure, so Christina Hoffmann, Diätassistentin an der Universitätsmedizin der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, zu Tagesschau.de. "Der Unterschied ist marginal." Der Gehalt anderer Inhaltsstoffe wie Kalzium, der Vitamine A, D und E sowie Proteine bliebe unverändert.
Laut der US-Arzneimittelbehörde FDA sind in Rohmilch auch keine Probiotika enthalten, wie mitunter behauptet wird. Dass Rohmilch somit deutlich gesünder sein soll, als beispielsweise pasteurisierte Milch sei falsch, so Hoffmann. Es gebe auch keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass Rohmilch das Immunsystem verbessere.