Paul Achleitner zählt zu den bekanntesten Managern im deutschsprachigen Raum. Im Interview mit der "Kleinen Zeitung" spricht der frühere Aufsichtsratschef der Deutschen Bank über die rasante Entwicklung der Künstlichen Intelligenz, die politische Lage in den USA und darüber, warum er sich heute seine Geschäftspartner genau aussucht.
Für Achleitner steht fest, dass die Auswirkungen der Künstlichen Intelligenz heute noch kaum abzuschätzen sind. Er vergleicht die Entwicklung mit der Einführung der Elektrizität. Deren wahre Bedeutung sei ebenfalls erst Jahre später sichtbar geworden.
Wie sich der Markt entwickeln wird, lässt er offen. Denkbar seien wenige dominante Anbieter, eine Entwicklung hin zu einer Art Grundversorgung oder völlig neue Geschäftsmodelle. Sicher sei für ihn nur eines: "Das Einzige, was Künstliche Intelligenz übertreffen wird, ist menschliche Dummheit", erklärt er gegenüber der "Kleinen Zeitung".
Europa dürfe sich laut Achleitner jedenfalls nicht darauf verlassen, dass leistungsfähige Rechenzentren überflüssig würden. Gleichzeitig sieht er die Chance, KI verantwortungsvoll einzusetzen und die Bevölkerung besser einzubinden.
Sorge bereitet dem Investor vor allem die wachsende Skepsis gegenüber neuen Technologien. Entscheidend sei, ob Menschen optimistisch in die Zukunft blicken oder von Ängsten geprägt seien. Dauerndes Jammern hält er für den falschen Weg.
Auch Führungskräfte müssten sich auf das konzentrieren, was sie tatsächlich beeinflussen können. Seine Empfehlung lautet: "Ignore the noise!"
Mit Blick auf die Vereinigten Staaten spart Achleitner ebenfalls nicht mit Kritik. Die Entwicklung des Landes beschreibt er mit einem Satz: "Dass wir in den USA von dem Yes-We-Can-Attitude zu einer Because-I-Can-Attitude gekommen sind, ist natürlich schon ein Problem", sagt er der Tageszeitung.
Trotzdem warnt er davor, die USA vorschnell abzuschreiben. Das Land bleibe wirtschaftlich, technologisch und militärisch eine Supermacht. Gleichzeitig bedauert er den Verlust der internationalen Strahlkraft: "Die Soft Power der USA ist weg", so Achleitner zur "Kleinen Zeitung".
Für gute Führung seien nicht große Auftritte entscheidend. Achleitner warnt sogar ausdrücklich davor, sich von charismatischen Persönlichkeiten blenden zu lassen. Kompetenz sei wichtiger als Eloquenz. Führung sei kein Soloauftritt, sondern funktioniere nur im Zusammenspiel verschiedener Fähigkeiten, stellt der Finanzmanager in der Tageszeitung klar.
Ebenso wichtig sei der richtige Umgang mit dem eigenen Ego. Entscheidend sei die Frage, ob eine Führungskraft ihr Ego kontrolliere oder umgekehrt.
Obwohl Achleitner längst nicht mehr arbeiten müsste, engagiert er sich nach eigenen Angaben derzeit vor allem für drei Start-ups. Dabei gilt für ihn inzwischen eine einfache Regel bei der Auswahl seiner Geschäftspartner.
"Ich habe einen einfachen Grundsatz, den ich jetzt genauso formuliere, wie ich ihn denke. Ich habe mir das Recht verdient, nicht mehr mit Arschlöchern zusammenzuarbeiten. Und das ist eines meiner wichtigsten Selektionskriterien", so Achleitner zur "Kleinen Zeitung".