Die Erinnerungen an den September 2024 sind noch frisch: Nach einem heißen Sommer entwickelte sich ein mächtiges Italientief, das tagelangen Dauerregen über Teile Mitteleuropas brachte. Besonders schwer traf es den Osten Österreichs. An unzähligen Flüssen wurden 100-jährliche, am Wienfluss sogar ein Jahrtausend-Hochwasser verzeichnet. Das öffentliche Leben stand vielerorts still, die Schäden waren enorm.
Zwei Jahre später sieht ORF-Meteorologe Marcus Wadsak beunruhigende Parallelen. "Wir haben genau die gleiche Ausgangslage wie damals, die Zutaten sind wieder angerichtet", warnt er laut "Kleine Zeitung". Mehr noch: "Nur dass die Bedingungen diesmal noch drastischer sind, mit noch größerer Sommerhitze bei uns und noch wärmerem Wasser im Mittelmeer."
Tatsächlich wurden im Mittelmeer zuletzt außergewöhnlich hohe Wassertemperaturen gemessen. Im Ligurischen Meer vor Italien kletterte die Temperatur im August auf einen historischen Rekordwert von 31 Grad. Das sind rund vier Grad mehr als im üblichen Durchschnitt. Besonders extrem: Eine Messboje vor Mallorca registrierte sogar 33 Grad.
Das warme Wasser kann für das Wetter in den kommenden Wochen entscheidend werden. Je wärmer das Meer ist, desto mehr Wasser verdunstet. Die aufgeheizte Atmosphäre kann gleichzeitig große Mengen dieser Feuchtigkeit aufnehmen.
Trifft die heiße und feuchte Luft im Spätsommer oder Herbst auf kalte Luftmassen aus dem Norden, kann sich ein Italientief bilden. Die Folgen können schwere Gewitter, Stürme und enorme Regenmengen sein.
Für Wadsak ist das Risiko in diesem Herbst besonders hoch. "Es ist angesichts der Begleitumstände fast davon auszugehen, dass es im Herbst zu massiven Regenfällen kommen wird", erklärt der Meteorologe. Ob Österreich tatsächlich erneut voll getroffen wird, lässt sich derzeit allerdings nicht vorhersagen. "Was wir nicht wissen, ist, ob es uns in Österreich wieder treffen wird oder ob es in anderen Regionen niedergeht. Das hängt dann von den Luftströmungen ab."
Eine konkrete Unwetter-Katastrophe für Österreich lässt sich Wochen im Voraus also nicht prognostizieren. Die Voraussetzungen für extreme Niederschläge sind laut Wadsak aber vorhanden.
Sollten große Regenmengen tatsächlich Österreich treffen, kommt ein weiteres Problem dazu: Nach der langen Hitze und Trockenheit sind viele Böden ausgetrocknet und verdichtet. "Durch die lange Trockenheit ist die Erde bei uns sehr verdichtet, sodass das Wasser kaum versickern kann", warnt Wadsak. Fällt innerhalb kurzer Zeit sehr viel Regen, könnte das Wasser dadurch besonders rasch oberflächlich abfließen und Überschwemmungen verschärfen.