Die Hitze brachte Wien Ende Juni an die Belastungsgrenze: Während draußen Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke herrschten, liefen bei der Wiener Berufsrettung die Telefone heiß. Innerhalb weniger Tage verzeichnete die MA 70 die einsatzstärksten Tage ihrer 144-jährigen Geschichte. Die KPÖ Wien erhebt nun schwere Vorwürfe und spricht von fehlenden Notfallplänen und unzureichendem Schutz für ältere Menschen und Einsatzkräfte.
Bei der KPÖ Wien meldeten sich mehrere Mitarbeiter:innen von Wiener Rettungsorganisationen bei der Partei. Ihre Schilderungen: Überlastete Teams, steigende Einsatzzahlen und besonders belastende Situationen in Pflegeeinrichtungen.
"Wir hatten absolute Rekordwerte bei den Notrufen. Es war pausenlos etwas zu tun und extrem stressig", berichtet Michi (Name geändert), langjähriger Mitarbeiter bei einer Rettungsorganisation auch gegenüber "Heute".
Besonders in Erinnerung geblieben sei ihm ein Einsatz in einem Pensionistenwohnheim der "Häuser zum Leben". Eine ältere Frau auf einer Bettenstationen benötigte eine Infusion – doch in ihrem Zimmer herrschten rund 28 Grad. "Für mich war das schon schlimm. Aber für eine hochbetagte Person, die krank ist, ist diese Hitze eine noch viel größere Belastung." Das Zimmer sei nicht klimatisiert gewesen.
Die Zahlen der Berufsrettung zeigen die außergewöhnliche Belastung: Während der Hitzewelle Hitzewelle Mitte Juni stiegen die Einsätze an und das hohe Niveau blieb zwei Wochen lang unverändert. Die Teams rückten von Montag (29. Juni) bis Donnerstag (2. Juli) insgesamt 3.975 Mal aus. In der Nacht von 29. auf 30. Juni wurde mit 1.398 Alarmierungen ein neuer Tagesrekord erreicht.
Die Berufsrettung betont, dass sie auf die extreme Wetterlage reagiert habe. Die Zahl der Einsatzfahrzeuge sei erhöht worden, personelle Anpassungen seien vorgenommen worden. Gemeinsam mit den anderen Rettungsorganisationen habe man die Versorgung der Bevölkerung sichergestellt.
"Es hat funktioniert, weil Maßnahmen gesetzt wurden", sagt auch Rettungsmitarbeiter Michi im Gespräch mit "Heute". Trotzdem sieht er Verbesserungsbedarf: "Bei Großveranstaltungen wie dem Donauinselfest gibt es lange vorher Überlegungen und Notfallpläne. Bei Hitzewellen weiß man ebenfalls Tage vorher, was kommt – trotzdem reagiert man oft erst, wenn es schon passiert."
KPÖ-Wien-Landessprecher Mario Memoli kritisiert vor allem den Umgang der Stadt mit vorhersehbaren Hitzeperioden. Der 2025 präsentierte 67-seitige Wiener Hitzeaktionsplan enthalte aus Sicht der Partei keine ausreichenden Vorkehrungen für eine Überlastung der Rettungsorganisationen.
"Vor Silvester oder Großevents gibt es Vorsorgestrategien, weil mit mehr Notfällen gerechnet wird. Bei vorhergesagten Hitzewellen verschließt die Politik die Augen", so Memoli. Die Partei warnt vor den gesundheitlichen Folgen extremer Temperaturen. Besonders ältere und gesundheitlich geschwächte Menschen seien gefährdet. Laut KPÖ berichten Mitarbeiter:innen in Rettungsorganisationen von einer erhöhten Sterblichkeit während und nach Hitzewellen.
Auch die städtischen "Häuser zum Leben" stehen im Mittelpunkt der Debatte. Die KPÖ kritisiert, dass nicht alle Bewohnerzimmer klimatisiert seien und spricht von "unwürdigen und lebensbedrohlichen Zuständen".
Die Häuser zum Leben weisen diesen Vorwurf zurück und verweisen auf ihr Hitzeschutzkonzept. In allen 29 Häusern gebe es klimatisierte Bereiche wie Gasthäuser, kleine Säle und Aufenthaltsbereiche der stationären Pflege, die als kühle Zonen genutzt werden können. Zusätzlich setze man auf bauliche Maßnahmen wie Wärmedämmung, Begrünungen sowie Wand- und Deckenkühlsysteme. Bei Neubauten und Sanierungen würden diese Maßnahmen verstärkt umgesetzt. Teilweise würden Kühlsysteme über Photovoltaikanlagen betrieben.
Nicht nur Patient:innen, auch Einsatzkräfte leiden unter den Extremtemperaturen. Die Berufsrettung verweist gegnüber "Heute" darauf, dass Rettungsfahrzeuge klimatisiert seien und Rettungsstationen über Klimageräte verfügen. Während der Hitzewelle sei außerdem Mineralwasser an Mitarbeiter:innen ausgegeben worden.
Rettungsmitarbeiter Michi sieht dennoch eine grundsätzliche Herausforderung: "Die Woche Ende Juni war das Maximum. Mehr geht eigentlich nicht. Es hat funktioniert – aber es war einfach extrem", resümiert er. Auch in der vergangenen Wochen waren die Temperaturen in Wien hoch und die Rettungsteams wieder vielerorts gefordert. Für zukünftige Hitzeperioden müsse man sich ein besseres Konzept überlegen, meint Michi.