Für 523 Haushalte im Gemeindebau am Rosa-Jochmann-Ring 5 in Simmering kam im Juni das böse Erwachen: Die monatlichen Wohnkosten sind teils massiv gestiegen. Je nach Wohnung fallen nun zwischen 100 und 400 Euro zusätzlich an. Eine vierköpfige Familie muss sogar rund 370 Euro mehr pro Monat bezahlen.
Auch andere Gemeindebauten sind betroffen. So müssen Bewohner der Wohnhausanlage am Handelskai 214 in der Leopoldstadt seit heuer ebenfalls mit Mehrkosten von bis zu 400 Euro rechnen. Auslöser ist das Auslaufen der befristeten Wohnbauförderung.
Seit den 1970er-Jahren fördert die Stadt Wien den Bau von Gemeindewohnungen und ermöglicht damit über viele Jahre vergleichsweise günstige Mieten. Endet diese Förderung, greift der im Mietvertrag vorgesehene Mietzins. Je nach Vertragsmodell erfolgt dann die Umstellung auf den geltenden Richtwert- oder Kategoriemietzins.
Wie Wiener Wohnen auf Anfrage von "Heute" mitteilte, waren in den ersten drei Quartalen 2026 insgesamt 22.127 Mieter vom Auslaufen der Wohnbauförderung betroffen. Bei 652 Mietverhältnissen wurde auf den aktuellen Richtwert von 6,74 Euro pro Quadratmeter umgestellt, weitere 4.829 auf den derzeit gültigen Kategoriemietzins von 4,51 Euro pro Quadratmeter. Insgesamt mussten damit 5.481 Wienerinnen und Wiener heuer höhere Wohnkosten hinnehmen.
"Der große Rest konnte aufgrund günstiger Vertragslage seinen bisherigen Mietzins beibehalten", erklärt Wiener Wohnen.
Für den Rest des Jahres gibt es zumindest Entwarnung: Laut Wiener Wohnen sind – abgesehen von einzelnen Dachgeschoßausbauten – keine weiteren Umstellungen in den verwalteten Wohnhausanlagen geplant.
Wie viele Mieter künftig betroffen sein werden, lasse sich allerdings nicht vorhersagen. "Bis heute und hoffentlich auch in ferner Zukunft werden Wohnhausanlagen mit Mitteln der Wohnbauförderung errichtet, deren Wohnungen dann Jahrzehnte extrem günstig sind und erst nach vielen Jahren auf den 'Nachher-Zins' umgestellt werden", so Wiener Wohnen.
Nach Angaben von Wiener Wohnen werden Mieter bereits beim Vertragsabschluss auf das befristete Fördermodell hingewiesen und vor einer Umstellung nochmals informiert.
Wer durch die höheren Wohnkosten finanzielle Probleme bekommt, kann sich beraten lassen. Dabei informiert Wiener Wohnen unter anderem über die Wohnbeihilfe NEU der MA 50, zinsfreie Ratenvereinbarungen oder – falls sinnvoll – einen Wechsel in eine kleinere Gemeindewohnung.
Bei finanziellen Engpässen steht zudem eine eigene Beratung zur Verfügung, um mögliche Hilfsangebote der Stadt Wien aufzuzeigen – beispielsweise die Wohnbeihilfe NEU der MA 50 oder die Möglichkeit zinsfreier Ratenvereinbarungen. Auch ein Wechsel in eine kleinere Gemeindewohnung kann für manche Mieter eine günstige Lösung sein.