Den Bewohnern des Gemeindebaus am Handelskai 214 reicht es: Hunderte Mieter sind empört – über den Zustand ihrer Wohnungen und über drastische Mieterhöhungen. Am Freitag wollen sie ihrem Ärger nun Luft machen und ziehen bei einer Demonstration "gegen Wiener Wohnen" am Freitag vom Karlsplatz bis zum Parlament.
"Der Zustand unseres Zuhauses ist katastrophal", sagt Vedat Göksu, der die Demo auf die Beine gestellt hat. "Schimmel in vielen Wohnungen und für die Stiegenhäuser muss man sich schämen."
Mehrere Bewohner berichten von feuchten Wänden, dunklen Flecken in Wohnräumen und ungepflegten Allgemeinflächen. Besonders Familien mit Kindern würden unter den Zuständen leiden, heißt es. Insgesamt wohnen in der riesigen Wohnhausanlage am Handelskai mehrere tausend Menschen. Doch nicht nur der bauliche Zustand sorgt für Zorn – auch finanziell fühlen sich viele Mieter im Stich gelassen. "Heute" hat bereits über den Fall berichtet.
Nach dem Auslaufen einer Wohnbauförderung kam für zahlreiche Haushalte der Schock: Mit nur zwei Monaten Vorlaufzeit seien die Mieten um bis zu 50 Prozent gestiegen.
Bei Initiator Vedat Göksu bedeutet das rund 300 Euro mehr pro Monat. Besonders hart trifft es eine fünfköpfige Familie: Bei Familie G. kletterte die Gesamtmiete im Oktober von 886 Euro auf 1273 Euro – und das ohne Kosten für Heizung und Energie. Weitere Erhöhungen für viele Wohnungen sollen 2026 folgen.
Scharfe Kritik kommt auch aus der Politik. "Wir kritisieren vor allem, wie Wiener Wohnen hier mit der Situation umgeht. Von sozialer Fürsorge kann keine Rede sein. Die Höhe des Mietanstiegs kam für viele sehr überraschend. Wer kann sich so kurzfristig darauf einstellen oder gar eine neue Wohnung suchen?", fragt sich Max Veulliet, Sprecher für die KPÖ Leopoldstadt.
"Demonstration gegen Wiener Wohnen":
Wann: Freitag, 27.2., ab 17.30 Uhr
Wo: Karlsplatz bis Parlament
Wiener Wohnen erklärte gegenüber "Heute" bereits, dass es sich in dem Fall im 2. Bezirk nicht um eine "klassische Mieterhöhung" handelt, sondern um das Ende der zeitlich befristeten Wohnbauförderung. Seit den 1970er-Jahren unterstütze die Stadt Wien den Bau von Gemeindewohnungen durch Förderungen, die günstige Mieten ermöglichen. Nach Ablauf dieser Förderungen gelten die vertraglich vereinbarten Mietpreise.
"Dank der Wohnbauförderung haben die Mieter viele Jahre außerordentlich günstig gewohnt. Schon beim Abschluss der Mietverträge war allerdings klar, dass diese Förderung zeitlich befristet ist. Daher wurde auch vertraglich ein Mietzins vereinbart, der nach dem Ende der Förderung gilt", erklärte Wiener Wohnen.
Wiener Wohnen betonte, dass man die Mieter rechtzeitig vor Ablauf der Förderung informiere. Auch, um sich etwa über Unterstützungsangebote informieren zu können: Es gibt die Soziale Beratung im Servicecenter (1030 Wien, Rosa-Fischer-Gasse 2) und die erweiterte Wohnbeihilfe NEU der MA 50.
Außerdem sei eine umfassende Sanierung des Karl-Heinz-Hora-Hofs geplant – inklusive Dämmungen, Fenstertausch und Brandschutz.