Zwielichtige Immobilien-Deals

Wiener Anwalt soll fast 1 Million Euro veruntreut haben

In Wien steht ein Anwalt unter Anklage, weil er fast 1 Million Euro an Klientengeldern aus Immobiliengeschäften veruntreut haben soll.
Wien Heute
25.02.2026, 13:38
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Der nächste Treuhand-Skandal erschüttert Österreich. In Wien soll ein Rechtsanwalt über Jahre hinweg Gelder kassiert haben, die eigentlich für das Finanzamt und das Grundbuch bestimmt waren. Laut Anklage geht es um satte 998.000 Euro. Geld, das Immobilienkäufer im guten Glauben überwiesen hatten.

Brisant: Die Summen waren für die Grunderwerbsteuer und die Eintragungsgebühr vorgesehen. Also für Abgaben, die beim Wohnungskauf fix fällig sind. Doch statt beim Staat landete das Geld offenbar ganz woanders.

Dutzende Opfer befürchtet

Im Februar erhielten mehrere Immobilienkäufer Post, die ihnen den Boden unter den Füßen wegzog. Ein Rechtsanwaltskommissär informierte sie schriftlich darüber, dass ihre Zahlungen nicht an das Finanzamt weitergeleitet worden seien. In einem Fall ging es um exakt 15.575,65 Euro.

Noch schockierender: Das Konto, auf das die Käufer ihre Beträge einbezahlt hatten, war leer. Nullstand. Das Geld war verschwunden. Für viele Betroffene begann damit das große Zittern.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Der eingesetzte Kommissär, der die Kanzlei eines emeritierten Kollegen überprüfte, zog schließlich die Reißleine und informierte die Staatsanwaltschaft Wien. Der Verdacht: schwere Veruntreuung im großen Stil. Der Anwalt soll als Treuhänder systematisch Gelder zweckwidrig verwendet haben.

Angesichts der enormen Schadenssumme gehen Insider davon aus, dass es sich um Dutzende Geschädigte handeln muss. Jeder einzelne von ihnen steht nun womöglich vor finanziellen Problemen, obwohl er seine Verpflichtungen längst erfüllt glaubte.

Prozess wackelt

Wie Christina Salzborn, Sprecherin des Straflandesgerichts Wien, bestätigt, ist ein Verfahren anhängig. Die Anklage lautet auf Veruntreuung von 998.000 Euro. Für den Juristen gilt die Unschuldsvermutung.

Ob es jedoch tatsächlich zu einer öffentlichen Verhandlung kommt, ist offen. Laut einem eingeholten Gutachten ist der Angeklagte derzeit nicht verhandlungsfähig. Das Verfahren könnte sich also weiter verzögern.

Parallelen zu Graz

Der Fall weckt Erinnerungen an einen ähnlichen Skandal in Graz. Dort warten Geschädigte eines 2023 verstorbenen Anwalts noch immer auf ihr Geld. Rund 260.000 Euro sind offen, Betroffene hoffen auf Hilfe aus dem Notfallfonds der steirischen Rechtsanwaltskammer.

Für viele stellt sich nun die Frage: Wie sicher sind Treuhandkonten wirklich? Und wer schützt dich, wenn ausgerechnet der eigene Anwalt das Vertrauen missbraucht? Fast eine Million Euro verschwunden - und zahlreiche Opfer, die nun doppelt zahlen könnten. Der Justizkrimi ist noch lange nicht vorbei.

{title && {title} } red, {title && {title} } 25.02.2026, 13:38
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