Seit Anfang Juni flattern den Bewohnern am Rosa-Jochmann-Ring 5 Rechnungen in die Briefkästen, die sich gewaschen haben. Denn die Wohnkosten wurden in dem Bau in Wien-Simmering kräftig angehoben. Zwischen 100 und 400 Euro müssen viele Mieterinnen und Mieter nun mehr bezahlen.
"Eine Frechheit", meint Bewohnerin Ziza L. Seit 26 Jahren wohnt sie in dem Simmeringer Gemeindebau. 180 Euro mehr wird ihr seit Juni verrechnet. "Mein Mann und ich können es uns immerhin noch leisten, nachdem unsere Kinder bereits erwachsen und ausgezogen sind", schildert die 59-Jährige.
Doch bei vielen Nachbarn sieht die Situation anders aus. Eine Bewohnerin, die anonym bleiben möchte, ist verzweifelt. Seit 25 Jahren lebt sie im Gemeindebau; nach der Mieterhöhung sieht sie sich gezwungen, auszuziehen. Eine vierköpfige Familie wohnt seit 2015 am Rosa-Jochmann-Ring. Die Miete für ihre 92 Quadratmeter-Wohnung ist um 370 Euro gestiegen. "Aktuell läuft ein Verfahren bei der Schlichtungsstelle, weil wir prüfen lassen wollen, ob das alles rechtens ist", erzählt Martin S. (Name geändert).
Wiener Wohnen betont auf "Heute"-Anfrage, dass es sich in den Fällen um "keine Mieterhöhungen, sondern um das Resultat der auslaufenden Wohnbauförderung" handle. Seit den 1970er-Jahren unterstützt die Stadt Wien den Bau von Gemeindewohnungen durch Förderungen, die günstige Mieten ermöglichen. Nach Ablauf dieser Förderungen gelten die vertraglich vereinbarten Mietpreise.
Im Falle des Gemeindebaus in Simmering betrifft das 523 von insgesamt 544 Wohnungen. Bis vor dem Auslaufen der Wohnbauförderung hat die Miete am Rosa-Jochmann-Ring durchschnittlich nur 2,94 Euro/m² betragen. Abhängig vom Alter der Verträge wurden nun 368 Mietverhältnisse auf den Wert der Kategorie A (EUR 4,51/m²) umgestellt. 155 Mietverhältnisse wurden auf einen Richtwert von 6,74 Euro pro m² umgestellt – und zahlen damit denselben Mietzins wie alle Menschen, die neu in einen Wiener Gemeindebau ziehen.
Laut Angaben von Wiener Wohnen wurden die Mieter bereits beim Abschluss der Mietverträge darüber informiert, dass die Förderung zeitlich befristet ist. Auch im Februar sowie im April wurde über die bevorstehende Anpassung informiert. Trotzdem zeigt man Verständnis für die Sorgen der Mieterinnen und Mieter. "Es ist uns bewusst, dass die Umstellung für manche Mieter eine deutliche finanzielle Mehrbelastung bedeutet und es ist uns ein ehrliches Anliegen, sie damit nicht alleine zu lassen", heißt es von Wiener Wohnen.
Bei finanziellen Engpässen steht eine eigene Beratung zur Verfügung, um mögliche Hilfsangebote der Stadt Wien aufzuzeigen – beispielsweise die Wohnbeihilfe NEU der MA 50 oder die Möglichkeit zinsfreier Ratenvereinbarungen. Auch ein Wechsel in eine kleinere Gemeindewohnung könnte für manche Mieter eine günstige Lösung sein.
"Wie die Stadt mit den betroffenen Mietern umgeht, ist ein Skandal. Gemeindewohnungen müssen leistbarer Wohnraum für die Wiener sein. Auch bisher war der Mietzins am Rosa-Jochmann-Ring 5 kostendeckend. Für die betroffenen Mieterinnen und Mieter muss eine sozialverträgliche Lösung gefunden werden", fordert Bezirksrat Florian Rath (KP).