Ein Jahr nach dem Einsturz vom Bahnhofdach in Novi Sad haben dort Zehntausende der 16 Opfer gedacht. Am Samstag, genau um 11.52 Uhr – das war der Zeitpunkt des Unglücks am 1. November 2024 – hielten die Trauernden für 16 Minuten inne. Das berichteten Reporter der Nachrichtenagentur AFP. Das Unglück hatte damals die größten Proteste im Land seit Jahrzehnten ausgelöst.
Entlang eines provisorischen Zauns beim beschädigten Bahnhofseingang legten Menschen Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Die 45-jährige Svetlana sagte der AFP vor Ort: "Ich empfinde großen Schmerz und Trauer."
Schon seit Freitag waren Menschen aus ganz Serbien nach Novi Sad gekommen, um an dem Gedenken teilzunehmen. Tausende marschierten sogar zu Fuß aus der rund hundert Kilometer entfernten Hauptstadt Belgrad nach Novi Sad. Einige kamen zu Fuß aus der etwa 340 Kilometer südlich gelegenen Stadt Novi Pazar – sie waren symbolisch 16 Tage unterwegs, um der 16 Opfer zu gedenken.
In Novi Sad, der zweitgrößten Stadt Serbiens, sind beim Einsturz des Bahnhofdachs zunächst 14 Menschen ums Leben gekommen, darunter zwei Kinder. Zwei weitere starben später an ihren Verletzungen. Der Hauptbahnhof war erst im Juli 2024 nach jahrelangen Renovierungsarbeiten wieder voll in Betrieb gegangen.
Das Unglück hat heftige Proteste ausgelöst. Anfangs ging es um die Ursachen vom Einsturz. Später richteten sich die vor allem von Studierenden getragenen Demos gegen die Regierung und die weit verbreitete Korruption im Land. Immer wieder werden dabei Neuwahlen gefordert. Serbiens Präsident Aleksandar Vucic lehnt das weiterhin strikt ab und nennt die Proteste aus dem Ausland gesteuert.
In einer Fernsehansprache zeigte sich Vucic selten demütig und bereute Aussagen, die er über Studierende und Demonstranten gemacht hatte: "Ich entschuldige mich dafür." Der Präsident rief zum Dialog auf.
Während am Samstag auch in Belgrad wieder Demonstranten auf die Straße gingen, nahmen Vucic und mehrere Minister an einer Gedenkfeier zum Jahrestag des Bahnhofs-Unglücks im Dom der Heiligen Sava teil.
Die serbische Staatsanwaltschaft hat kurz nach dem Unglück Ermittlungen aufgenommen. Im September wurde dann Anklage gegen 13 mutmaßlich Verantwortliche erhoben, darunter auch gegen den früheren Bauminister Goran Vesic. Die Europäische Staatsanwaltschaft (EPPO) ermittelt außerdem wegen möglichem Missbrauch von EU-Geldern bei der Renovierung des Bahnhofs.