Der Bau der neuen Straßenbahn sorgt im Bereich des Kleingartenvereins Wasserwiese in der Leopoldstadt für hitzige Diskussionen. Ein Anrainer schildert im "Heute"-Talk seinen Frust über die Auswirkungen der Großbaustelle – und spart nicht mit Kritik an der Stadtplanung.
Mit der Verlängerung der Straßenbahnlinie 18 baut die Stadt Wien das Öffi-Netz aus. Künftig soll die Linie vom Ernst-Happel-Stadion bis zur U6-Station Burggasse-Stadthalle verkehren und damit eine neue Direktverbindung zwischen dem zweiten und dritten Bezirk schaffen.
Die Gleisbauarbeiten laufen bereits seit Juni 2025, die Inbetriebnahme der neuen Strecke ist für den Herbst 2026 geplant. Aus Sicht der Stadt bedeutet das Projekt einen wichtigen Schritt für den Ausbau des öffentlichen Verkehrs. Doch nicht jeder ist mit diesen Plänen einverstanden.
Schon vor Baubeginn hätten sich viele Bewohner gegen das Projekt ausgesprochen. Eine Petition sei jedoch wirkungslos geblieben. "Wir waren mit der bisherigen Busanbindung zufrieden. Unsere größte Sorge war, dass Parkplätze verschwinden – und genau das ist jetzt passiert", erzählt der Wiener.
Laut dem Anrainer seien durch die neue Straßenbahn-Haltestelle und zusätzliche Grünflächen zahlreiche Stellplätze weggefallen. "Die Haltestelle ist jetzt etwa dreimal so groß wie die alte. Dazu kommen Verkehrsinseln und Grünflächen, die weitere Parkplätze verbauen", ärgert er sich.
Besonders Familien und ältere Menschen seien von der neuen Situation betroffen. "Wie sollen Angehörige ihre Eltern oder Großeltern besuchen und pflegen, wenn sie keinen Parkplatz mehr finden? Viele sind berufstätig und kommen mit dem Auto aus anderen Bundesländern."
Neben der angespannten Parksituation belasten die Anrainer auch die Dauer der Bauarbeiten. Seit rund zwei Jahren müssten sie mit Lärm und Einschränkungen leben. "Noch immer ist kein Ende in Sicht", berichtet der Bewohner. Hinzu komme ein weiteres Problem: "Die Mistkübel quellen regelmäßig über, weil die Müllabfuhr wegen der Baustelle nicht zufahren kann."
Besonders unverständlich sei für den Anrainer, dass auf Menschen mit eingeschränkter Mobilität kaum Rücksicht genommen werde. "Nicht jeder kann öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Viele ältere oder gebrechliche Menschen sind auf Angehörige oder Dienste wie 'Essen auf Rädern' angewiesen – und auch diese brauchen Parkmöglichkeiten."
Seiner Ansicht nach hätte es durchaus Lösungen gegeben. "Man hätte Querparkplätze schaffen oder zumindest die bisherige Anzahl an Stellplätzen erhalten können. Das wäre ein fairer Kompromiss für die Anrainer und gleichzeitig gut für die Umwelt gewesen."