Montag, 6:49 Uhr (Ortszeit) in New York. Von einer Sekunde auf die andere fließen an der Terminbörse plötzlich Millionen in Wetten auf den Ölpreis. Innerhalb einer Minute springen die Deals massiv nach oben. Rund 170 Millionen werden auf US-Öl gesetzt, auch beim Brent-Öl schießt das Volumen zeitgleich auf etwa 150 Millionen.
Nur wenig später folgt die entscheidende Nachricht: US-Präsident Donald Trump meldet überraschend Fortschritte im Iran-Konflikt. Von "sehr guten und produktiven Gesprächen" ist die Rede, geplante Angriffe auf iranische Energieanlagen werden vorerst verschoben.
Die Reaktion folgt sofort. Der Ölpreis bricht ein – um 14 Prozent innerhalb weniger Minuten. Wer kurz zuvor auf fallende Preise gesetzt hat, macht in kürzester Zeit enorme Gewinne. Ein Account erzielte mit einem Einsatz von 32.537 Dollar einen Gewinn von über 436.000 Dollar, nennt BBC ein Beispiel.
Genau dieser Zeitpunkt sorgt jetzt für massive Zweifel. Die ungewöhnlich hohen Wetten wurden rund 15 Minuten vor dem Posting platziert - zu einem Zeitpunkt, an dem es laut Experten keine Hinweise auf Verhandlungen gab.
Aufgedeckt wurde das durch eine Analyse von Marktdaten durch die BBC. Die Redaktion hat auch das Weiße Haus mit den auffälligen Bewegungen konfrontiert. Dort weist man alle Vorwürfe zurück und betont, man dulde keinen illegalen Profit durch Insiderwissen.
Zusätzliche Brisanz bringt die Reaktion aus dem Iran: Dort bestreitet man, dass es überhaupt Gespräche gegeben habe, und spricht von "Fake News", die gezielt Märkte beeinflussen sollen.
"Das erscheint definitiv abnormal", sagt Mukesh Sahdev, Chef-Ölanalyst bei XAnalysts, zur BBC. "Damals gab es keinerlei Anzeichen dafür, dass ernsthafte Gespräche zwischen den USA und dem Iran stattfanden. Daher wirft es Fragen auf, so viel Geld auf einen sinkenden Ölpreis zu setzen."
Der Zeitpunkt der Wetten hat Zweifel daran aufkommen lassen, ob sie in Kenntnis der Ankündigung des Präsidenten abgeschlossen wurden.
"Kurz bevor er in den sozialen Medien postete, haben viele Leute Verträge abgeschlossen, die es ihnen ermöglichen würden, von fallenden Ölpreisen zu profitieren", erklärt Rachel Winter, Partnerin bei der Vermögensverwaltungsfirma Killik & Co im Gespräch mit der BBC.
Der Fall weckt Erinnerungen an einen ähnlichen Vorfall im Jänner: Auf der Krypto-Plattform Polymarket setzten Nutzer Geld darauf, dass Venezuelas Präsident Nicolás Maduro noch im selben Monat gestürzt wird. Kurz darauf griffen US-Spezialkräfte zu - Maduro wurde festgenommen. Einige Wettende machten damit Hunderttausende Dollar Gewinn.