In Haiti hat die Bandenkriminalität in weniger als einem Jahr zu mehr als 5.500 Todesopfern geführt. Das geht aus einem aktuellen Bericht des UNO-Menschenrechtsbüros hervor, der am Dienstag veröffentlicht wurde. Zwischen 1. März 2025 und 15. Jänner 2026 sind laut UNO mindestens 5.519 Menschen getötet und 2.608 verletzt worden.
"Während Bandenkriminalität nach wie vor weit verbreitet ist und sich über die Hauptstadt hinaus ausgebreitet hat", seien auch andere Gewalttaten durch Selbstverteidigungsgruppen und nicht organisierte Teile der Bevölkerung "beunruhigend", heißt es in dem Bericht weiter.
Die UNO hat die Zahlen genau geprüft: Mindestens 1.424 Menschen wurden direkt durch Bandenkriminalität getötet. Einsätze der Sicherheitskräfte gegen die Banden haben laut Bericht zu mindestens 3.497 Todesfällen geführt. Bei Angriffen von Selbstverteidigungsgruppen kamen mindestens 598 Menschen ums Leben.
Der Bericht dokumentiert neben der Bandenkriminalität auch Fälle von unnötiger oder unverhältnismäßiger Gewalt durch die Polizei. Dazu zählen tatsächliche oder versuchte außergerichtliche Tötungen von Bandenmitgliedern oder mutmaßlichen Anhängern, die laut UNO zu 196 Todesfällen geführt haben.
Seit März 2025 ist in Haiti auch ein privates Militärunternehmen aktiv, das laut UNO-Bericht von der Regierung beauftragt wurde. Dabei kommt es immer wieder zu Drohnenangriffen und Beschuss aus Hubschraubern.
Der UNO-Sicherheitsrat hat im vergangenen Jahr eine neue internationale Mission zur Bekämpfung der Banden genehmigt. UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk betonte, diese könne nur erfolgreich sein, wenn es auch stärkere Bemühungen gebe, "diejenigen, die die Aktivitäten der Banden finanzieren, organisieren und unterstützen, im Einklang mit internationalen Standards zu identifizieren, festzunehmen, (...) und strafrechtlich zu verfolgen".
Der Tschad hat inzwischen angekündigt, 750 Sicherheitskräfte für die UNO-Mission nach Haiti zu schicken. Das Land folgt damit einem Aufruf der UNO, wie ein Beamter im Tschad, der anonym bleiben will, erklärt hat. Das Außenministerium des zentralafrikanischen Landes hat die Entsendung bestätigt.
Haiti kämpft seit Jahren mit politischer Instabilität, wirtschaftlicher Not und Gewalt. Die Ermordung von Präsident Jovenel Moise im Juli 2021 hat den ohnehin schon schwer getroffenen Karibikstaat noch tiefer in die Krise gestürzt. In letzter Zeit ist die Gewalt durch bewaffnete Banden deutlich schlimmer geworden.