48-Stunden-Ultimatum verpufft

Iran droht mit Angriff auf AKW: Trump macht Rückzieher

Bis Dienstagfrüh hätte der Iran die Straße von Hormus freigeben sollen. Der Iran drohte mit dem Beschuss eines Atomkraftwerks. Trump gibt nach.
Nick Wolfinger
23.03.2026, 13:29
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Kritiker nennen es "TACO": "Trump Always Chickens Out" (zu Deutsch: "Trump macht immer einen Rückzieher"). Das geflügelte Wort entstand 2025 im Zuge von Trumps Zick-Zack-Kurs in der Zollpolitik. Die Bedeutung dahinter: Trump startet mit harten Drohungen, rudert bei Gegenwind aber regelmäßig zurück.

Dass Trumps 48-Stunden-Ultimatum an den Iran ebenfalls in einem Rückzieher endet, war nach der Gegendrohung mit einem Angriff auf das Atomkraftwerk Barakah (Vereinigte Arabische Emirate) fast schon vorprogrammiert. Und so kam es nun auch. In einem neuen, vollständig in Großbuchstaben verfassten Posting auf Truth Social gibt der US-Präsident seine Kehrtwende bekannt:

„Ich habe das Kriegsministerium angewiesen, alle Militärschläge gegen iranische Kraftwerke und Energieinfrastruktur für fünf Tage auszusetzen“
US-Präsident Donald TrumpTruth Social, 23. März 2026

Trump wollte iranische Kraftwerke zerstören

In dem Ultimatum hatte Trump eigentlich gefordert, dass der Iran bis Dienstagfrüh (ca. 1.30 Uhr MEZ) die Straße von Hormus vollständig für die Schifffahrt freigeben muss. Andernfalls würden die USA sämtliche Kraftwerke des Iran zerstören, "angefangen mit dem größten".

Iran drohte mit Beschuss von AKW

Der Iran ließ diese Drohung nicht lange auf sich sitzen und drohte im Gegenzug mit Angriffen auf Kraftwerke und Öl-Infrastruktur in der ganzen Golfregion. Zur Untermauerung der Drohung wurde eine Landkarte veröffentlicht, auf der acht große Kraftwerke in Saudi-Arabien, Kuwait und den Vereinigten Arabischen Emiraten (Abu Dhabi, Dubai) eingezeichnet waren – darunter das einzige Atomkraftwerk der Region, das AKW Barakah in den Emiraten.

Trump hat kein Ass im Ärmel

Dass Trump nun einen Rückzieher bei seiner Drohung macht liegt daran, dass er noch immer keinen Weg gefunden hat, die Kontrolle über die strategisch wichtige Straße von Hormus zu gewinnen. Durch die Meerenge werden normalerweise täglich 20 Prozent des weltweit gehandelten Erdöls und 20 Prozent des Flüssiggases (LNG) transportiert.

Die permanente Bedrohung durch iranischen Beschuss brachte die Schifffahrt nahezu zum Erliegen. Der Iran lässt nur noch Schiffe passieren, die dem Iran nützen oder sich den iranischen Spielregeln unterworfen haben.

Jetzt plötzlich Diplomatie

Als Grund für seinen Rückzieher nennt Trump, dass es in den letzten zwei Tagen angeblich "sehr gute und produktive Gespräche über eine vollständige Beilegung unserer Feindseligkeiten im Nahen Osten" zwischen den USA und dem Iran gegeben habe. Wer genau diese Gespräche geführt haben soll und über welche Kanäle, lässt der US-Präsident offen. Aus dem Iran folgte umgehend das Dementi: Es gebe zur Zeit überhaupt keine Gesprächskanäle mit den USA.

Trumps Posting auf Truth Social, 23.3.2026
Truth Social

Entspannung für Energiemärkte?

Fakt ist: Mit diesem Kurswechsel nimmt Trump wieder etwas Druck von den weltweiten Energiemärkten. Eine gegenseitige Zerstörung von Kraftwerken in den Golfstaaten hätte katastrophale Folgen für die Wirtschaft und den Handel gehabt und hätte Öl- und Gaspreise sicher weiter in die Höhe getrieben.

US Marines sind auf dem Weg

Die Energiepreise sind schließlich das einzige und stärkste Druckmittel, das der Iran in der Hand hält. Und Trump hat noch keine Karte gefunden, die er dagegen ausspielen könnte. Ändern könnte sich das erst in den kommenden Wochen, wenn die Verlegung von US Marines aus Kalifornien, die soeben gestartet wurde, abgeschlossen ist. Ein anderes Marines-Bataillon ist bereits auf dem Weg aus Japan.

Dass diese Spezialeinheiten, die möglicherweise zur Sicherung der Küsten entlang der Straße von Hormus eingesetzt werden sollen, nicht bereits früher in die Region verlegt wurden wirft einmal mehr die Frage auf, welche Vorbereitungen Trump in den Wochen vor Kriegsbeginn überhaupt getroffen hat.

{title && {title} } NW, {title && {title} } Akt. 23.03.2026, 13:53, 23.03.2026, 13:29
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