Die Lage im Nahen Osten spitzt sich dramatisch zu - und die Auswirkungen sind an den Zapfsäulen und Energiemärkten bereits spürbar. Der Ölpreis ist nach dem Angriff der USA auf den Iran und der iranischen Blockade der Straße von Hormus regelrecht in die Höhe geschossen. Erinnerungen an die Energiekrise 2022 werden wach.
Am Montag lag der Heizölpreis bereits bei über 118 Euro pro 100 Liter - ein Anstieg von fast 15 Prozent an einem einzigen Tag. Noch sind Tanker auf den Weltmeeren unterwegs, doch wenn die aktuellen Ladungen aufgebraucht sind, dürften Konsumenten die vollen Auswirkungen spüren. Besonders bitter: Nach einem kalten Winter sind die Heizöl- und Gasreserven in vielen Haushalten aufgebraucht.
Wie inside-digital.de berichtet, rechnet Energieexperte Lucas Flügel damit, dass Verbraucher schon in wenigen Wochen die volle Wucht der Preissteigerungen zu spüren bekommen. "Das sind Dimensionen, die wir sonst nur aus akuten Krisensituationen kennen, und wir stehen möglicherweise erst am Anfang", warnt der Branchenkenner.
Die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen aus Krisenregionen erweist sich einmal mehr als Achillesferse. Ob der russische Angriff auf die Ukraine, der Anschlag auf Nord Stream oder die jetzige Eskalation im Iran - in allen Fällen sind die Öl- und Gaspreise massiv gestiegen. "Energie ist längst Sicherheitspolitik", betont Flügel.
Besonders brisant ist das Timing: Normalerweise werden im Frühling die Heizöl- und Gasvorräte aufgefüllt, weil die Preise dann am günstigsten sind. Der Nahost-Krieg stellt diese Planung komplett auf den Kopf. Wer jetzt Öl oder Gas nachkauft, zahlt Krisenpreise. Auch in Österreich sind die Spritpreise bereits deutlich gestiegen.
Kurzfristig raten Experten, das eigene Heizverhalten zu überprüfen. Programmierbare Thermostate, richtiges Lüften und ein bewusster Umgang mit Warmwasser können die Rechnung spürbar senken. Immerhin werden die Tage jetzt wärmer und länger.
Langfristig sehen Fachleute den Umstieg auf erneuerbare Energiesysteme als einzige Strategie, die wirklich trägt. Eine Kilowattstunde vom eigenen Dach koste zwischen 8 und 12 Cent - und dieser Preis ändere sich nicht, egal, was am Persischen Golf passiere. Wer eine Wärmepumpe mit Photovoltaikanlage und Stromspeicher kombiniere, könne sich von geopolitischen Preissprüngen weitgehend abkoppeln.
Die aktuelle Krise zeigt einmal mehr, wie verwundbar die Energieversorgung bei Abhängigkeit von fossilen Importen ist. Wer die Möglichkeit hat, auf erneuerbare Heizsysteme umzusteigen, sollte laut Experten nicht auf den nächsten Preisschock warten.