Die Lage im Nahen Osten spitzt sich weiter zu - und mit ihr die Öl- und Gaspreise. Klimaschützer schlagen nun Alarm. Für sie zeigt der Konflikt einmal mehr, wie verwundbar eine Welt ist, die von Öl und Gas abhängig bleibt.
Seit Anfang März steigen die globalen Ölpreise deutlich. Der Preis für Brent-Rohöl kletterte am 3. März um rund 16 Prozent auf über 83 US-Dollar (70 Euro) pro Barrel. Hintergrund sind die anhaltenden Angriffe im Zuge des Konflikts zwischen dem Iran, den USA und Israel sowie die Blockade der wichtigen Meerenge am Golf.
Welche Folgen ein neuerlicher Preisschock haben kann, zeigt eine Studie des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche: Ein Gaspreis-Anstieg um 80 Prozent würde die Wertschöpfung in emissionsintensiven Branchen im Folgejahr um 6,6 Prozent einbrechen lassen. In den beiden darauffolgenden Jahren wären es jeweils 5,8 Prozent. Rund 133.000 Arbeitsplätze in diesen Sektoren könnten in den ersten drei Jahren gefährdet sein.
Zudem treiben hohe Energiepreise, wie man gerade live mitbeobachten kann, die Inflation an. Steigende Produktionskosten schlagen direkt auf Waren- und Dienstleistungspreise durch - und damit auf die Haushaltskassen.
Die Straße von Hormuz gilt als einer der wichtigsten Transportwege für Öl und Gas weltweit. Seit der Iran die Passage gesperrt hat, müssen Hunderte Schiffe ankern. Lieferungen kamen zeitweise nahezu zum Stillstand. Das Beratungsunternehmen Wood Mackenzie warnt: Sollte die Route nicht rasch wieder geöffnet werden, könnten die Preise auf weit über 100 US-Dollar pro Barrel steigen.
"Die Abhängigkeit von Öl und Gas bezahlen unsere Industrie und Haushalte mit hohen Energiepreisen und steigender Inflation. Erneuerbare Energien lassen sich dauerhaft zu leistbaren und stabilen Preisen vor unserer Haustür produzieren", sagt Katharina Rogenhofer vom österreichischen Kontext-Institut für Klimafragen.
Österreich sei widerstands- und wettbewerbsfähiger, wenn die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern beendet werde, so Rogenhofer.
Auch Greenpeace International fordert ein rasches Umdenken. Solange die Welt von Öl und Gas abhängig sei, würden Frieden, Sicherheit und Geldbeutel "immer der Geopolitik ausgeliefert sein", warnt Mads Christensen. Eine bloße Produktionssteigerung löse das Grundproblem nicht.
Für die Umweltorganisation 350.org sei unsere Welt "an fossile Brennstoffe gefesselt". Geschäftsführerin Olivia Langhoff sieht in der aktuellen Krise einen weiteren Beweis für die Instabilität des bestehenden Systems. Erneuerbare Energien könnten Ländern eine sichere, heimische Versorgung bieten - unabhängig von geopolitischen Schocks.
Für Klimaschützer ist in jedem Fall klar: Jeder neue Konflikt um Öl ist auch ein Argument mehr für die globale Energiewende.