Der Österreichische Biodiversitätsrat schlägt vor dem "Tag des Artenschutzes" (3. März) Alarm. In seinem aktuellen Barometer zur heimischen Artenvielfalt steht erstmals keine einzige Ampel mehr auf Grün. Statt Fortschritt gibt es Gelb und Rot - und scharfe Kritik an der Bundesregierung.
Seit 2019 analysiert das Gremium jährlich die heimische Biodiversitäts- und Naturschutzpolitik. Bewertet werden fünf Kernbereiche, dargestellt in einem Ampelsystem. Rund ein Jahr nach Amtsantritt der Koalition aus ÖVP, SPÖ und NEOS fällt die Bilanz so schlecht aus wie noch nie.
Spitzen-Ökologe Franz Essl von der Uni Wien spricht von "erheblichen Rückschritten". Gerade im Umwelt- und Naturschutzbereich sei massiv gespart worden - der Biodiversitätsfonds wurde von 20 auf fünf Millionen Euro gekürzt. Auch die Zuständigkeit für Umwelt im Landwirtschaftsministerium sieht der Rat weiter kritisch.
Mit Blick auf die EU-Renaturierungsverordnung orten die Experten wenig Tempo. Bis Herbst muss Österreich einen nationalen Plan vorlegen, doch laut Biodiversitätsrat stocke die Umsetzung. In Arbeitsgruppen dominierten Verwaltung und Politik, andere Interessensgruppen und die Zivilbevölkerung seien kaum eingebunden.
Dabei sei das Thema in der Bevölkerung sehr wohl präsent. Österreich gelte als Biodiversitäts-Hotspot in Mitteleuropa und trage damit besondere Verantwortung. Mit Bio-Landwirtschaft und kleinbäuerlichen Strukturen könnte das Land sogar Vorreiter sein.
Ein weiteres Problem: Streng geschützte Flächen machen derzeit nur rund drei Prozent der Landesfläche aus. Zehn Prozent wären laut Experten nötig. Auch beim Flächenverbrauch bleibt Österreich auf hohem Niveau - täglich werden rund 6,5 Hektar neu verbaut.
Umweltminister Norbert Totschnig weist die Kritik zurück: Österreich sei "Pionier im Artenschutz". Er verweist auf sechs Nationalparks und zahlreiche Programme. Rund 80 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe nehmen am Agrarumweltprogramm ÖPUL teil, mehr als zehn Prozent der Agrarfläche würden gezielt für Biodiversität bewirtschaftet. Zudem stünden bis 2033 rund 44 Millionen Euro für den Moorschutz bereit.