Vor 25 Jahren

Österreicher erlebte 9/11: "Dann stürzte der Turm ein"

Der Niederösterreicher Christopher Mareska erlebte die Anschläge vom 11. September mitten in New York. Er war nur wenige Hundert Meter entfernt.
Michael Pollak
11.09.2026, 05:40
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Heute vor 25 Jahren, mitten in der morgendlichen Rushhour, krachte um 8.46 Uhr Ortszeit eine Boeing 767 in den Nordturm des World Trade Centers in New York. Exakt 17 Minuten später wurde der zweite Turm von einer weiteren Boeing getroffen. Seit dem 11. September 2001 (9/11) ist die Welt eine andere.

Mittendrin in New York war Christopher Mareska. Der damals 27-Jährige befand sich am Weg zu seinem Englischkurs. Als der Niederösterreicher bei der U-Bahn-Station Chambers Street ausstieg, merkte er, dass etwas nicht stimmte. Schon beim Hinaufgehen hörte er Menschen schreien.

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Er holte seine Kamera heraus und machte die ersten Fotos. An einen Terroranschlag dachte er zu diesem Zeitpunkt noch nicht. "Ich bin davon ausgegangen, dass es ein Unfall war", sagt er zu "Heute".

Nur 800 Meter vom World Trade Center entfernt

Mareska ging zunächst weiter zu seinem Englischkurs. Das Gebäude lag nur wenige Blocks entfernt. In der Aula warteten bereits mehrere Studenten, es war unklar, wie es weitergehen sollte.

Dann kam eine Schweizer Studentin und erzählte aufgeregt, dass Trümmerteile vom World Trade Center herunterfallen würden. Kurz darauf forderte Sicherheitsleute die Studenten auf, das Gebäude zu verlassen. Sollte das World Trade Center einstürzen, wäre es zu gefährlich zu bleiben. Die Türme waren nur etwa entfernt.

Die Gruppe trennte sich. Öffentliche Verkehrsmittel waren keine Option mehr, Mareska musste rund drei Kilometer zu Fuß zu seiner Wohnung gehen.

Er drehte sich immer wieder um

Auf dem Weg blickte der damals 27-Jährige immer wieder zurück. Er machte Fotos und hielt schließlich auch fest, wie das World Trade Center einstürzte.

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Erst als er seine Wohnung erreichte und den Fernseher einschaltete, wurde ihm das ganze Ausmaß bewusst. Jetzt war klar: Es war kein Unfall, die USA waren Ziel eines Terrorangriffs geworden.

Die Situation war beängstigend, Telefonleitungen funktionierten nicht, Teile der Stadt waren abgeschottet. Seine Familie in Österreich wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, ob es ihm gut ging.

Nachricht an die Mutter über ICQ

Weil Telefonieren nicht möglich war, setzte sich der Österreicher an seinen Computer. Über den damals beliebten Nachrichtendienst ICQ nahm er Kontakt zu einem Freund auf. Dieser sollte seiner Mutter ausrichten, dass er den Anschlag unversehrt überstanden hatte.

Den Rest des Tages verbrachte er in der Wohnung, kommunizierte per Mail mit Freunden und Kollegen.

Vermisstenzettel überall in der Stadt

Überraschend: Schon am nächsten Tag wurde der Englischkurs an einer anderen Location im Norden der Stadt fortgesetzt. Mit Freunden versuchte Mareska mit der völlig neuen Situation umzugehen: "Wir haben entschieden, es nicht mehr ernst zu nehmen", erzählt er. Die Freunde verbrachten viel Zeit in Lokalen. Immer wieder wurde "New York, New York" von Frank Sinatra gespielt, es gab häufig Gratisgetränke, erinnert er sich.

Die historische Tragweite der Anschläge sei damals noch kaum zu begreifen gewesen. Die menschliche Tragödie dagegen schon. Überall in den Straßen hingen plötzlich Zettel mit Fotos vermisster Menschen. Angehörige suchten verzweifelt nach Familienmitgliedern und Freunden, "da fragt man sich, wie realistisch es ist, dass diese Person überlebt hat."

Kerzen, US-Flaggen und kleine Gedenkstätten prägten das Straßenbild. Mareska lief viel durch New York und fotografierte.

Eine Woche später stieg er ins Flugzeug

Nach einer Woche trat der Österreicher die Heimreise an. "Großen Respekt habe ich plötzlich vor dem Fliegen gehabt", sagt Mareska. Lange Zeit sei es für ihn nicht angenehm gewesen.

Von den USA hielt ihn das Erlebnis dennoch nicht fern. Seitdem war er fast jedes Jahr wieder dort, auch zum ersten Jahrestag kehrte er nach New York zurück. Ausgemacht war ein Treffen mit einer Kurs-Kollegin. Sie tauchte nicht auf.

POM,11.09.2026, 05:40
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