Während Österreichs Privatkunden ihre offenen Forderungen vergleichsweise schnell begleichen, brauchen Firmen und Teile der öffentlichen Hand deutlich länger.
Das zeigt der aktuelle Austrian Business Check des KSV1870 (1.000 Interviews). Besonders überraschend: Privatpersonen zahlen ihre Rechnungen sogar schneller als noch vor einem Jahr.
Im Durchschnitt bezahlen sie offene Forderungen nach 13 Tagen – zwei Tage schneller als noch 2025. Insgesamt werden 86 Prozent der Rechnungen von Privatkunden pünktlich beglichen. Allerdings haben sie mit durchschnittlich zwölf Tagen auch das kürzeste vereinbarte Zahlungsziel.
Ganz anders sieht die Entwicklung bei Unternehmen aus. Firmenkunden benötigen mittlerweile durchschnittlich 29 Tage, um ihre Rechnungen zu bezahlen. Innerhalb nur eines Jahres hat sich die Zahlungsdauer damit um vier Tage verlängert.
77 Prozent der Firmenrechnungen werden innerhalb des vereinbarten Zahlungsziels beglichen. Die durchschnittliche Zahlungsdauer liegt inzwischen so hoch wie zuletzt 2019.
Noch länger dauert es teilweise bei der öffentlichen Hand. Der Bund benötigt im Schnitt 36 Tage, bei den Ländern sind es 32 Tage. Gemeinden kommen auf durchschnittlich 27 Tage.
Bei Ländern und Gemeinden hat sich die Zahlungsdauer gegenüber 2025 jeweils um einen Tag verlängert. Insgesamt werden laut Erhebung 78 Prozent der Rechnungen der öffentlichen Hand fristgerecht bezahlt.
"Bund und Länder überschreiten das gesetzliche Zahlungsziel von 30 Tagen und verschärfen damit vielerorts die ohnehin schon angespannte finanzielle Situation der Betriebe zusätzlich. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wäre eine gute Vorbildwirkung besonders wichtig", sagt Walter Koch, Geschäftsführer der KSV1870 Forderungsmanagement GmbH.
Generell hat sich die Zahlungsmoral in Österreich verschlechtert. Mittlerweile wird jede fünfte Rechnung nicht rechtzeitig bezahlt. Nur noch 80 Prozent werden innerhalb des vereinbarten Zahlungsziels beglichen. 2025 waren es noch 83 Prozent.
"Zahlungsziele werden zunehmend ausgereizt und immer häufiger überschritten", erklärt Koch. Besonders problematisch: Bei höheren Beträgen komme es inzwischen auch häufiger zu kompletten Zahlungsausfällen als noch vor einigen Jahren.
Die Entwicklung trifft die heimischen Unternehmen in einer ohnehin schwierigen Phase. Nur 42 Prozent beurteilen ihre aktuelle Geschäftslage als "sehr gut" oder "gut". Vor einem Jahr waren es noch 47 Prozent. Schlechter war die Stimmung zuletzt nur im ersten Corona-Jahr 2020.
Dazu kommt: 72 Prozent der Betriebe berichten von sinkenden oder höchstens gleichbleibenden Umsätzen. Nur 28 Prozent konnten zuletzt ein Umsatzplus verbuchen.