Bei Österreichs Insolvenzen zeigt sich ein überraschend unterschiedliches Bild. Während die Zahl der Unternehmensinsolvenzen leicht zurückgeht, geraten immer mehr Privatpersonen in finanzielle Schwierigkeiten.
Von Jänner bis Ende September 2026 wurden österreichweit insgesamt 13.012 Insolvenzen registriert. Im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres ist das ein Anstieg um 5,9 Prozent beziehungsweise 725 Fälle.
Verantwortlich für das deutliche Plus sind vor allem die Privatinsolvenzen.
In den ersten drei Quartalen wurden 7.897 Privatinsolvenzen gezählt. Im Vergleichszeitraum 2025 waren es noch 7.040. Innerhalb eines Jahres kamen damit 857 Fälle dazu - ein kräftiger Anstieg um 12,2 Prozent.
Das bedeutet: Jeden Tag rutschen 29 Privatpersonen in die Insolvenz – mehr als ein Fall pro Stunde!
Regional gibt es dabei erhebliche Unterschiede. Den stärksten prozentuellen Anstieg verzeichnet Tirol mit einem Plus von 30,2 Prozent. Dahinter folgen die Steiermark mit 21,8 Prozent und das Burgenland mit 20,4 Prozent. In Oberösterreich stiegen die Privatinsolvenzen um 18,8 Prozent.
Die meisten Privatinsolvenzen gibt es weiterhin in Wien. In der Bundeshauptstadt wurden bis Ende September 2.584 Fälle gezählt, um 4,2 Prozent mehr als im Vorjahr.
Auch gemessen an der erwachsenen Bevölkerung liegt Wien vorne: Auf 10.000 Erwachsene kommen 16,2 Privatinsolvenzen. Österreichweit liegt dieser Wert bei 10,7.
Ganz anders entwickelt sich unterdessen die Lage bei den Unternehmen. Österreichweit wurden in den ersten neun Monaten 5.115 Unternehmensinsolvenzen registriert. Das sind um 0,8 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.
Ein Detail fällt allerdings auf: Die Zahl der eröffneten Unternehmensinsolvenzen ging sogar um 7,2 Prozent auf 2.922 zurück. Gleichzeitig stiegen jene Insolvenzverfahren, die mangels Vermögen abgewiesen wurden, um 9,2 Prozent auf 2.193 Fälle.
Bei den Bundesländern gibt es ebenfalls große Unterschiede. Während die Unternehmensinsolvenzen in Tirol um 33,4 Prozent und in Salzburg um 14,8 Prozent zurückgingen, legten sie in Vorarlberg um 48,6 Prozent zu. Kärnten verzeichnete ein Plus von 14 Prozent, die Steiermark von 13,4 Prozent.
Auch zwischen den Branchen geht die Entwicklung auseinander. Im Bauwesen wurden 666 Insolvenzen registriert, ein Plus von 2,8 Prozent. In Beherbergung und Gastronomie waren es 620 Fälle und damit 5,3 Prozent mehr.
Im Handel sank die Zahl hingegen um 7,3 Prozent auf 757 Insolvenzen. Bei Verkehr und Nachrichtenübermittlung ging sie um 11,3 Prozent auf 481 Fälle zurück.