Ein vermeintliches Treffen zur Aussprache wurde für eine 30-jährige Kärntnerin zum Albtraum. Vor dem Landesgericht Klagenfurt berichtete die Frau, wie sie Anfang Mai des Vorjahres in eine Wohnung gelockt und dort mehrere Tage festgehalten worden sei.
Eingeladen hatte sie ein Mann, mit dem sie laut "Kleine Zeitung" Jahre zuvor ein Verhältnis gehabt hatte. In der Wohnung angekommen, habe sie ihr Handy abgeben müssen. Dann sei sie in einen abgedunkelten Raum gebracht worden.
"Dort gab es ein Zimmer, ganz in Gold gestrichen, und sechs Leute saßen da. Ich musste mein Handy abgeben und wurde in ein grünes Zimmer geführt. Es war abgedunkelt mit schwarzen Fenstern und Türen ohne Schnallen und mit Schaum ummantelt. Und in diesem Kerker lag am Boden ein Bekannter. Angekettet. Er war ein Gefangener. Und da wusste ich: Ich komme da auch nicht mehr raus", wird die Frau in der "Kleinen Zeitung" zitiert.
Nach ihren Schilderungen wurde auch die 30-Jährige angekettet. Die Ketten seien an einer Wand und an ihrem Fußgelenk befestigt gewesen. Insgesamt fünf Tage habe sie den Raum nicht verlassen können, heißt es in dem Bericht weiter.
Nur für Toilettengänge sei sie losgekettet worden. Auch Essen und Trinken habe sie dort bekommen, allerdings stets unter Begleitung. Weshalb sie überhaupt festgehalten wurde, sei ihr bis heute unklar.
"Ich weiß es bis heute nicht. Beim angeketteten Bekannten hieß es, er hätte es verdient", sagte die 30-Jährige vor Gericht.
Mehrere Personen in der Wohnung hätten sich laut ihrer Aussage als "Wächter" bezeichnet. Sie hätten kaum mit ihr gesprochen, aber darauf geachtet, dass sie nicht flüchten konnte. Einen möglichen Sprung über den Balkon auf dem Weg zur Toilette habe sie wegen der Höhe nicht gewagt, berichtet die "Kleine Zeitung".
Der ebenfalls angekettete Bekannte sei nach vier Tagen befreit worden und anschließend selbst zum "Wächter" geworden. Danach habe die Kärntnerin zumindest Licht im Raum haben und lesen dürfen. Ausgerechnet das Buch "Der beste Tag meines Lebens." sei ihr gegeben worden.
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Nach fünf Tagen kam die Frau laut ihrer Aussage schließlich frei. Der Haupttäter wurde laut "Kleine Zeitung" bereits rechtskräftig zu fünf Jahren Haft wegen schweren Raubes verurteilt. Nun standen die 49-jährige Mutter des Mannes und ein 30-jähriger Mitangeklagter vor Gericht.
Beide bestritten, die Kärntnerin gefangen gehalten zu haben. Sie hätten auch nicht gesehen, dass die Frau angekettet gewesen sei. "Sie war ein Gast", wird die 49-Jährige in der "Kleinen Zeitung" zitiert.
Die Frau räumte allerdings ein, der 30-Jährigen mit der Veröffentlichung von Nacktfotos gedroht zu haben, sollte diese einen weiteren Beteiligten belasten. Richter Mathias Polak verhängte deshalb wegen Nötigung eine Geldstrafe von 600 Euro.
Von den ebenfalls angeklagten Vorwürfen der Freiheitsberaubung wurden beide Angeklagten freigesprochen.
"Ihr Mitwirken am An- und Abketten ist nicht erwiesen. Das bloße Ins-Zimmer-Schauen oder die Anwesenheit am Tatort reicht für den Tatbestand nicht aus", sagte Richter Polak laut "Kleine Zeitung" in der Urteilsbegründung.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Nach jenem Bekannten, der laut Aussage der 30-Jährigen zunächst selbst angekettet war und später zum "Wächter" wurde, wird gefahndet.