Was die Post über meine politische Meinung "weiß"

Die Post steht nach der Speicherung von "Parteiaffinitäten" in der Kritik. Ich habe herausgefunden, was sie über mich zu wissen glaubt – das Ergebnis überrascht.
Die Aufregung war groß, als bekannt wurde, dass die Österreichische Post von rund 2,2 Millionen Menschen Parteiaffinitäten speicherte – und an politische Parteien für Wahlwerbung weiterverkaufte. Laut Datenschutzbehörde wurden Rechtsverletzungen festgestellt. Das Unternehmen hat die Daten gelöscht, ist aber der Ansicht, legal gehandelt zu haben.

Doch: Was weiß die Post wirklich über mich und meine politische Einstellung? Mittels eines Auskunftsansuchens habe ich meine Daten angefordert.

20.000 Anfragen



Fast 20.000 solcher Anfragen haben das Unternehmen regelrecht überschwemmt, erzählt Post-Anwalt Stefan Prochaska im Gespräch mit "Heute.at". Aufgrund unvollständiger Angaben sowie Mehrfach-Anfragen erhielten schließlich knapp 9.000 Menschen ihre gespeicherten Daten. "Ein nicht zu unterschätzender Aufwand", so Prochaska.

CommentCreated with Sketch.20 Zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Schon kurz nach dem Versand eines Musterschreibens trudelte eine kalmierende "Information" zu meiner Anfrage per Mail ein. "Tatsächlich speichert die Post keine Daten, die Rückschlüsse auf Ihre politischen Ansichten zulassen", heißt es da. Das Ziel: die treffsichere Verteilung von Werbesendungen.

Etwas mehr als fünf Wochen später war meine Auskunft nach der Europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) da. Ein sechsseitiges PDF mit allen Informationen, die die Post über mich gespeichert hat. Name, Geburtsdatum und Adresse stimmen noch, dann wird es allerdings abenteuerlich.

Affin für SPÖ, Neos und FPÖ



Denn laut Post bin ich sehr affin für Wahlwerbung der SPÖ, der Neos und der FPÖ. Sozialdemokraten und Liberale sitzen wenigstens beide in der Opposition und nehmen in manchen Punkten ähnliche Positionen ein – Überschneidungen mit den Freiheitlichen sind aber eher selten.

Die Zuordnung der "möglichen Zielgruppe für Wahlwerbung für Marketingzwecke erfolgte rein nach einem Berechnungsmodell", erklärt Anwalt Stefan Prochaska. Das Verfahren sei ähnlich wie bei Hochrechnungen an einem Wahlabend. Als Ausgangspunkt dienen Daten wie etwa Geschlecht, Alter oder Wohnort. Die Informationen stammen aus öffentlich zugänglichen Informationsquellen, Wahlsprengeln oder Gewinnspielen.

"Digitaler Individualist"



Die wiedersprüchlichen Partei-Affinitäten in meinem Fall sieht Prochaska als Beweis: "Genau daran erkennt man, dass die Daten nur statistisch hochgerechnet wurden und nicht das tatsächliche Wahlverhalten einer konkreten Person abbilden."

Außerdem wird mir ein "dominantes Geo-Millieu" zugeordnet. Demnach bin ich mit einer Wahrscheinlichkeit von 32,9 Prozent ein "digitaler Individualist". Also Teil der "individualistischen und vernetzten Lifestyle-Avantgarde", wie es in der Definition heißt. Es ist eine von mehreren Zielgruppen, mittels derer ebenfalls Werbung verteilt werden kann. Als Eigenbeschreibung käme mir das jedenfalls nicht in den Sinn.

Auch an anderer Stelle werden nicht ganz treffsichere Annahmen über mein Leben angestellt: Weder die Anzahl der Umzüge noch das Mindestjahreseinkommen jeder Person im Haushalt treffen auch nur ansatzweise zu.

Post stellt auch nach Löschung zu



Jeder hat übrigens das Recht, die Löschung seiner Daten zu beantragen. Doch keine Angst, sagt Anwalt Prochaska: "Selbstverständlich wird dann noch Post zugestellt." Hier sei zwischen Daten zu unterscheiden, welche die Post als Postdienstleister benötigt und jenen, die für Marketingzwecke verarbeitet werden.

"Für eine qualitativ hochwertige Zustellung benötigen wir in der Regel Straße, Hausnummer, Stiege, Tür, Postleitzahl, Ort und gegebenenfalls den Namen", so Prochaska. Zumindest diese Daten hat die Post in meinem Fall korrekt gespeichert, auch wenn die anderen Annahmen teilweise meilenweit von der Realität entfernt sind.

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