Das IOC beschließt Reformen, um die olympische Bewegung "zukunftsfähig" zu machen - und bricht mit einem Tabu.
Kirsty Coventry wählte große Worte, um noch größere Taten anzukündigen. "Jetzt sind wir an der Reihe", rief die Präsidentin den IOC-Mitgliedern mit viel Pathos in der Stimme zu, "wir müssen sicherstellen, dass die olympische Bewegung relevant bleibt." Dafür brach die Reform-Session in Lausanne sogar mit einem Tabu und beschloss eine "Olympia-Prämie".
Erstmals in der seiner 132-jährigen Geschichte beteiligt das Internationale Olympische Komitee die Athletinnen und Athleten an seinen Einnahmen. 10.000 Dollar soll es schon rückwirkend für die Winterspiele in Mailand und Cortina geben. Das sind umgerechnet etwa 8.800 Euro. Diese Summe geht auch an 115 Athletinnen und Athleten, die Rot-Weiß-Rot bei den Winterspielen im Februar vertreten hatten. Ein unerwarteter Paradigmenwechsel.
Bis zuletzt hatte sich Coventry (42) noch gegen direkte Zahlungen an Sportler und Sportlerinnen gewehrt und war dabei in so manches Fettnäpfchen getreten. Die Athleten und Athletinnen bekämen doch "schöne Wettkampfstätten, schöne Dörfer und eine schöne Erfahrung", hatte die zweimalige Schwimm-Olympiasiegerin gesagt - und laute Kritik geerntet.
Die Prämie, die auf Anforderung ausgezahlt werden soll, liegt zwar deutlich unter dem Vorschlag der internationalen Interessenvertretung Global Athlete (25.000 Dollar), dennoch feierten IOC-Mitglieder wie Sebastian Coe, Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes, sie als "historischen Moment". Kanuslalom-Olympiasiegerin Jessica Fox nannte die Entscheidung einen "riesigen Meilenstein".
Das IOC rechnet mit rund 14.000 Athletinnen und Athleten für einen vierjährigen Zyklus, bestehend aus Winter- und Sommerspielen. Sollten einige Sport-Stars den Zuschuss nicht beantragen, würde dieser in einem Fonds bleiben und künftigen Generationen zugute kommen, erklärte das IOC. Bei einem Dopingvergehen erlischt der Anspruch.