37 Weltcupsiege, sieben WM-Medaillen, drei Olympia-Silberne – Marlies Raich gehört zu den erfolgreichsten Skifahrerinnen der Geschichte. Doch hinter den Zahlen steckt vor allem eine Geschichte von mentaler Stärke und unbedingtem Willen.
Das bestätigt die 44-Jährige im neuen Sporthilfe-Podcast "RAW – Real Athlete's World". "Ich war immer sehr strukturiert, ordentlich und durchgeplant. Das brauchst du, um den Kopf freizuhaben", erklärt Raich.
Was die ÖSV-Ikone nicht abstellen konnte: ihre Nervosität vor den Rennen. "Das Gedankenrad hat sich ständig gedreht, wie vor einer großen Prüfung. Passt das Material, wie könnte die Kurssetzung sein? Ich lag die halbe Nacht im Bett und überlegte, was ich mache, wenn es so oder so ist", sagt Raich.
"Ich habe immer versucht, gegen die Nervosität anzukämpfen. Aber ich kam erst später drauf, dass sie dazugehört. Je nervöser ich war, umso besser war ich im Rennen. Es war ein wildes Gefühl. Oft habe ich mir gedacht: Warum tu ich mir das an?"
Ihren Perfektionismus behielt Raich bis heute. "Mit drei Kindern ist das allerdings anstrengend, ich habe gern alles perfekt zusammengeräumt. Ich war immer strukturiert und ehrgeizig, das brauch ich heute noch."
Ehemann Benjamin Raich hilft bei der Organisation tatkräftig mit. "Wir ergänzen uns sehr gut. Er sagt immer, er hat viel von mir gelernt – zielstrebig zu sein zum Beispiel. Und ich habe viel von ihm gelernt. Er ist sehr geerdet, für ihn ist vieles logisch, er verzweifelt nicht schnell. Er hat nie einen Mentaltrainer benötigt."
Was Marlies Raich bedauert: "Dass ich die Erfolge nicht so ausgekostet habe, das wird mir jetzt noch mehr bewusst. Oft habe ich mich nach dem Rennen im Zimmer aufs Bett gelegt und den Moment genossen. Man musste relativ schnell wieder fokussiert sein, musste am Boden bleiben."