Im "Offline Oida" steht eines ganz oben auf der Speisekarte: Digital Detox. In Wien hat nun erstmals ein Café eröffnet, das ganz bewusst und konsequent ein Gegenstück zu Reizüberflutung und endlosem Scrolling sein möchte.
Wir leben in einer Welt der Erreichbarkeit. Und wenn Initiator Christoph Thomann eines weiß, dann dass "sich die Menschen wieder mehr nach Ruhe sehnen". Er möchte helfen, wieder echte Verbindungen zu Mitmenschen herzustellen – genau aus diesem Grund hat er das Pop-up Café ins Leben gerufen.
Thomann ist seit über zehn Jahren selbstständig, kommt aus dem Gesundheitsbereich und hat unter anderem die Firma "Zirp" gegründet, die Snacks, Proteinbars und Süßigkeiten aus Insekten herstellt. Das Thema Mental Health ist dem 39-Jährigen sehr wichtig. "Seit Corona und den Kriegen bleiben immer mehr Menschen lieber zu Hause. Und wenn man einmal rausgeht, sieht man sie meistens am Laptop oder mit Smartphone sitzen, abgekoppelt von der Außenwelt", sagt er.
Im "Offline Oida" soll das nicht passieren. Für das erste "Digital-Detox-Café" hat er sich mit Sebastian Müller Klasz, Betreiber des "Lokal im Hof" im 4. Bezirk, zusammengetan. An den Wochenendenen bietet hier das Pop-up-Café eine reduzierte Speisekarte mit Kaffee, Tee, Kuchen, hausgemachten Limonaden und frisch gepressten Säften. Was aber besonders wichtig ist: Elektronische Geräte wie Smartphones, Laptops und Tablets sollen fern bleiben.
"Wir wollen, dass Handys und Co. lautlos in der Tasche verstaut werden", erklärt Thomann. Wer möchte, kann sein Gerät am Eingang auch abgeben und in einer verschließbaren Box aufbewahren lassen. Gezwungen wird niemand – "aber wir weisen die Gäste schon daraufhin, dass keine digitalen Geräte am Tisch liegen und genutzt werden sollen", so der Wiener.
Das Digital-Detox-Café im "Lokal im Hof":
Adresse: Weyringergasse 36, 1040 Wien
E-Mail: [email protected]
Telefon: +43 677 638 129 35
Öffnungszeiten: Samstag und Sonntag, 10 bis 18 Uhr
Website: www.offlineoida.at
Langweilig wird es trotzdem nicht: In Zusammenarbeit mit der Bücherei Wien wurde eine Leseecke eingerichtet, während der Spieleklub Paradice Wien analoge Spiele sowie regelmäßige Spieletage organisiert. Zusätzlich wird jede Stunde eine freiwillige, angeleitete Atempause angeboten. "Wir haben auch Gesprächskarten, mit denen man sich alleine beschäftigen kann", erklärt der Gründer.
Das Pop-up-Café befindet sich aktuell in einer Testphase. "Wir haben bisher nur positive Rückmeldungen bekommen. Die Gäste haben erzählt, dass sie nicht ständig abgelenkt waren und dadurch eine ganz andere Qualität an Gesprächen möglich war", freut sich Thomann. Sein langfristiges Ziel ist, das Digital-Detox-Café irgendwann in einer größeren Form und eigener Location umzusetzen.