Sport

Ohne FIFA: Erstmals Videobeweis angewandt

Heute Redaktion
14.09.2021, 16:58

Der australische Fußballverband pfeift offenbar auf die Fortschrittsverweigerung der FIFA und sperrte nachträglich einen Spieler wegen einer Schwalbe, die zu einem Elfmeter führte. Eine eigene Kommission kam nach Ansicht von Videoaufnahmen zu dem Schluss. Damit scheint ein Konflikt vorprogrammiert.

Dieser Alleingang der australischen Verbandes FFA könnte den Fußball in seinen Grundfesten erschüttern: In einem Ligaspiel glich Perth Glory gegen Melbourne Heart kurz vor dem Ende durch einen Elfmeter zum 2:2 aus. Der Strafstoß wurde jedoch nur gegeben, weil der Schiedsrichter auf eine Schwalbe von Michael Baird (nomen est omen - zumindest phonetisch) hineinfiel.

Nach Auswertung von Fernsehbildern (im Video ist die Szene ab Minute 5:30 zu sehen) sperrte der Verband Baird für zwei Spiele. Somit wurde quasi der Videobeweis eingesetzt, obwohl laut FIFA-Reglement nachträgliche Sperren nur bei gewalttätigem Verhalten angewendet werden dürfen. Außerdem wurde vom sogenannten "Match Review Panel" auch ein anderer Spieler wegen einer Schwalbe gesperrt, der in das vermeintliche Foul involvierte Torhüter von seiner roten Karte freigesprochen.

Problematik Regelwerk

Somit gehen die Aussies auf direkten Konfrontationskurs mit FIFA-Präsident Sepp Blatter, der trotz peinlicher und schwerwiegender Fehlentscheidungen bei der vergangenen Fußball-WM an den Unzulänglichkeiten der Schiedsrichter festhält und sich dem (notwendigen) technischen Fortschritt verwehrt. Die FIFA hat das Vorgehen des FFA zwar nicht genehmigt, scheint es aber vorerst zu dulden um dem Problem aus dem Weg zu gehen. Allerdings wird sich der Weltverband der Thematik spätestens dann stellen müssen, wenn andere - gewichtigere - Verbände dem australischen Beispiel folgen.

Doch neben der grundlegenden Frage des Videobeweises wirft die Entscheidung in Australien ein ganz anderes Problem mit dem Regelwerk auf: Schiedsrichter dürfen für Schwalben nur gelbe Karten verteilen, nicht aber rote, die eine Sperre nach sich ziehen. Das "Match Review Panel" wendet somit Sanktionen an, die den Unparteiischen auf dem Feld gar nicht zur Verfügung stehen.

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