Mit Bruno Kernen meldet sich der nächste prominente Olympia-Kritiker zu Wort. Der Abfahrts-Weltmeister von 1997 übt deutliche Kritik an der Atmosphäre in Bormio – vor allem das Fehlen der traditionellen Medaillenzeremonien stößt dem Schweizer sauer auf.
Nicht nur er vermisst den olympischen Glanz. Auch Athleten wie Johannes Lamparter, Fanny Smith, Linus Straßer oder Marco Odermatt bemängelten die Stimmung bei den Spielen in Mailand und Cortina. Weit auseinanderliegende Wettkampforte, große Distanzen und teils leere Straßen hätten dem Event den besonderen Charakter genommen. Besonders isoliert fühlten sich die Ski-Herren, die ihre Rennen rund 300 Kilometer von Cortina entfernt in Bormio austrugen.
Für zusätzlichen Unmut sorgte der Verzicht auf die abendlichen Medaillenfeiern. Statt großer Bühne habe sich alles wie ein gewöhnliches Weltcup-Rennen angefühlt, kritisierte etwa Odermatt. Kernen fand noch deutlichere Worte: "Ich glaube, es gibt Ski-Klubs, die eine würdevollere Siegerehrung organisieren. Was ich heute gesehen habe, hat mich geschockt. Das ist meiner Meinung nach fast respektlos gegenüber den Sportlern."
Laut "Blick" hat der Schweizer Verband die Kritik bereits beim IOC deponiert. Delegationsleiter Ralph Stöckli kündigte an, man werde sich mit Blick auf die Spiele 2030 in Frankreich für die Rückkehr einer zentralen Medal Plaza einsetzen. Trotz sportlicher Erfolge reißt die Diskussion um die Organisation der Spiele damit nicht ab.