Die Olympischen Spiele in Mailand und Cortina sind seit Freitag im Gange. Wie zu Beginn vieler Spiele wird auch diesmal wieder die Frage gestellt, wann Olympia erneut nach Österreich zurückkehren könnte. Zuletzt war das 1976 in Innsbruck der Fall.
Dabei gerät oft in Vergessenheit, dass es konkrete Pläne für eine Bewerbung um die Austragung der Spiele 2026 mit Graz und Schladming gab. 2018 zog das Österreichische Olympische Comite dieses Vorhaben jedoch zurück, nachdem die politische Unterstützung ausblieb. In einer Stellungnahme hieß es damals: "Das ÖOC muss aufgrund der derzeit herrschenden politischen Diskussionen mit großem Bedauern feststellen, dass ein klares politisches Bekenntnis bis heute nicht erfolgt ist."
Das soll sich nun ändern. Im Rahmen eines Besuchs im Österreich-Haus in Cortina äußerte sich Vizekanzler Andreas Babler zu möglichen Olympischen Spielen in Österreich. Man habe sich im Regierungsprogramm darauf verständigt, gemeinsam an einer Strategie zu arbeiten, um sportliche Großveranstaltungen ins Land zu holen, sagte Babler: "Wir wissen, dass das ein kräftiges Signal und eine wirtschaftliche Wertschöpfung für Österreich wäre. Darum muss man für dieses Thema offen und visionär sein."
Die aktuellen Spiele gelten dabei für viele als mögliches Vorbild. Obwohl sie sich auf insgesamt sechs verschiedene Austragungsorte verteilen, die teils weit voneinander entfernt liegen, brachte dieses Modell einen entscheidenden Vorteil mit sich. Im Vergleich zu den Winterspielen 2022 in Peking mussten deutlich weniger neue Sportstätten errichtet werden. Der SPÖ-Vorsitzende sieht darin ein Beispiel für neue Wege bei der Austragung von Großereignissen: "Diese Clusterlösung zeigt, dass Olympische Spiele nicht zwingend auf eine einzelne Stadt konzentriert sein müssen, sondern auch auf nationaler Ebene gedacht werden können."
Worte, die beim Präsidenten des Österreichischen Olympischen Comites, Horst Nussbaumer, auf Zustimmung stoßen. Er sieht in einer möglichen Kandidatur vor allem einen Vorteil für den Infrastrukturstandort Österreich. "Wir brauchen in Österreich eine sehr gute Infrastruktur für unsere Spitzensportler. Eine Bewerbung für die Austragung der Olympischen Spiele wäre ein großer Schub, der uns in diese Richtung bringt. Deshalb kann ich der Idee, das zu prüfen, nur wohlwollend zustimmen", sagte Nussbaumer.
Bis es tatsächlich so weit ist, dürfte jedoch noch Zeit vergehen. Die Winterspiele 2030 in den französischen Alpen sowie jene 2034 im US-Bundesstaat Utah sind bereits vergeben. Für 2038 gilt eine Austragung in der Schweiz als wahrscheinlich. Danach wäre Europa vorerst nicht mehr an der Reihe, der nächste realistische Zeitpunkt für Österreich läge somit bei den Spielen 2046.
Für Nussbaumer stellt dieser Zeithorizont kein Hindernis dar. "Ein Zeitraum von 20 Jahren ist ein guter. Und wie sagt man so schön: Rom wurde nicht an einem Tag erbaut", sagte der ÖOC-Präsident. Österreichs Sportfans werden sich daher noch in Geduld üben müssen. Die Signale aus Politik und Sport jedoch deuten darauf hin, dass die Diskussion um eine Bewerbung konkreter geführt wird als je zuvor.