Olympiaheld, Skandalboy und "Grüße aus der Hölle"

Finnland trauert im Matti Nykänen! Die Skisprung-Legende starb im Alter von 55 Jahren. Ein Senkrechtstarter, der immer wieder hart landete.

Matti Nykänen ist tot. Die finnische Skisprung-Legende wurde nur 55 Jahre alt. Eine traurige Nachricht nicht nur für die Skisprung-Fans. Denn der einstige Olympia-Held sorgte nicht nur auf der Schanze für Aufsehen.

Finnlands Sportminister Sampo Terho bestätigte den Tod Nykänens am Montagmorgen. Die Mutter des früheren Ausnahme-Athleten wird von der finnischen Zeitung "Iltalehti" zittiert: "Ich selbst habe gerade davon gehört, deshalb kann ich leider nicht mehr sagen."

Fest steht: Die Sportwelt verliert eine schillernde Persönlichkeit. Nykänen galt als einer der besten Skispringer aller Zeiten. Er gewann 46 Weltcupbewerbe (erst Gregor Schlierenzauer konnte diese Marke überbieten), holte vier Mal den Gesamtweltcup, vier Mal Olympia-Gold und ein Mal Silber. Er war neben Espen Bredesen, Jens Weißflog, Thomas Morgenstern und Kamil Stoch einer von nur fünf Athleten, die Siege bei Olympia, Weltmeisterschaften, dem Gesamtweltcup und der Vierschanzen-Tournee feierten.

Doch Nykänen hatte ein großes Laster: den Alkohol. Mit 28 Jahren beendete er die Karriere glanzlos. Er versuchte sich als Stripper und als Popsänger, veröffentlichte seine Biographie mit dem bezeichnenden Titel "Grüße aus der Hölle".

2004 der nächste Tiefschlag: Nykänen wurde des Totschlags beschuldigt, da er einen Freund nach einem Streit ums Fingerhakeln in einer Hütte niedergestochen haben soll. Urteil: 26 Monte Haft. Der frühere Sport-Held – der noch dazu einen Herzinfarkt erlitt, sich aber gut davon erholte – wurde nach 13 Monaten auf Bewährung entlassen. Nur 103 Stunden später war er wieder in Haft – häusliche Gewalt gegen seine Frau Mervi. Da sie keine Anzeige erstattete, wurde er wieder enthaftet.

Nykänen geriet zwei weitere Male wegen brutaler Attacken gegen seine Frau mit dem Gesetz in Konflikt: 2006 wurde er zu vier Monaten Haft verurteilt, 2010 zu 16 Monaten.

Sein Leben mit vielen Höhenflügen und noch mehr Bruchlandungen hat nun ein frühes Ende gefunden. Über sich selbst und seine Alkoholsucht sagte Nykänen: "Ich stand viele Jahre im Mittelpunkt, alle haben sich um mich gerissen. Ich hatte es satt, es war zu viel. Ich war unglücklich und habe angefangen, in mir drinnen eine Mauer hochzuziehen. Ich war sehr jung, als ich erfolgreich geworden bin, die Medien waren die ganze Zeit um mich herum – ich hätte Hilfe gebraucht. Das war der Anfang. Ich habe später getrunken, weil ich nichts anderes zu tun hatte, weil ich vergessen wollte." (heute.at)

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