Onlinehändler nimmt "Call of Duty" aus dem Sortiment

Gegen das Gamestudio Activision Blizzard laufen Untersuchungen. Der Vorwurf: Innerhalb der Firma herrsche ein frauenfeindliches Klima.

Der Schweizer Onlinehändler Brack.ch vertreibt das Spiel "Call of Duty" ab sofort nicht mehr. Das hat das Unternehmen in einem Blogbeitrag angekündigt. Grund für den Rauswurf sind Sexismusvorwürfe gegen den Hersteller des Spiels Activision Blizzard. Das dortige Arbeitsklima soll zum Suizid einer Mitarbeiterin geführt haben. Vom Boykott sind 20 Spiele und dazugehörende Werbeartikel des Unternehmens betroffen, erklärt Brack.

"Können so ein Verhalten nicht billigen"

Activision Blizzard ist, nach Umsatz gerechnet, das viertgrößte Game-Studio der Welt. Aus dem Haus stammt auch der weltweite Hit "World of Warcraft". Die Tamedia-Zeitungen haben Details aus der Anklageschrift des Bundesstaats Kalifornien aufgenommen, die dokumentieren, wie heftig weibliche Angestellte des Unternehmens angegangen wurden. Männliche Angestellte seien demnach betrunken zur Arbeit erschienen. Regelmäßig sei es zu sexuellen Belästigungen weiblicher Kolleginnen gekommen. Dabei sollen auch Witze über Vergewaltigungen gefallen sein.

Im Blogbeitrag von Brack ist außerdem die Rede davon, dass Mütter mit ihren Babys aus Stillräumen geschmissen wurden, damit dort Sitzungen abgehalten werden konnten. Es soll sogar zum Suizid einer Mitarbeiterin gekommen sein. Die Frau soll sich während einer Geschäftsreise das Leben genommen haben. Zuvor sollen Nacktbilder von ihr innerhalb der Firma herumgereicht worden sein.

Der Schweizer Onlinehändler zeigt sich empört über die Enthüllungen und nimmt im ausführlichen Beitrag auf dem hauseigenen Blog mit dem Titel "Blizzard, jetzt müssen Taten folgen!" Stellung. Gegenüber den Tamedia-Zeitungen erklärt ein Sprecher: "Wir wollten mit der Entfernung ein Statement abgeben, dass wir so ein Verhalten nicht billigen."

Andere verkaufen Spiele weiter

In Kalifornien sind die Ermittlungen gegen das Unternehmen angelaufen. In der Anklageschrift ist von einer Arbeitskultur wie in einer Studentenverbindung die Rede. Neben den sexuellen Übergriffen sollen Frauen auch tiefere Löhne erhalten haben als ihre männlichen Kollegen und seltener befördert worden sein, schreiben die Tamedia-Zeitungen.

Activision Blizzard selbst stritt die Vorwürfe nach Bekanntwerden der Anklage ab. In einer ersten Reaktion war von Verzerrungen seitens der Kläger und Klägerinnen die Rede. Die Anschuldigungen seien in vielen Fällen falsch. In einem offenen Brief, der auf der eigenen Webseite publiziert wurde, kündigte CEO Bobby Kotick dann allerdings interne Untersuchungen an. Vergangene Woche kam es vor dem Hauptsitz des Unternehmens zu Protesten von Activision-Mitarbeitern und -Mitarbeiterinnen. Hunderte verließen ihren Arbeitsplatz, um gegen das eigene Unternehmen zu demonstrieren.

Laut den Tamedia-Zeitungen will ein großer Vertreiber von Games in der Schweiz – World of Games – nicht auf die Enthüllungen reagieren und behält "Call of Duty" und weitere Activision/Blizzard-Spiele weiter im Sortiment. Digitec verkauft die Spiele ebenfalls vorerst weiter, schließt einen Boykott allerdings nicht aus. Man beobachte die Situation weiterhin und behalte sich weitere Schritte vor, erklärte ein Sprecher gegenüber den Tamedia-Zeitungen.

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