Balkan-Mafia betrieb Folterkeller in Wien

Operation Trojan Shield: Auch australische Behörden beteiligten sich an diesem internationalen Schlag gegen das organisierte Verbrechen.
Operation Trojan Shield: Auch australische Behörden beteiligten sich an diesem internationalen Schlag gegen das organisierte Verbrechen.Australian Federal Police / Zuma / picturedesk.com
Hunderte Kriminelle konnten bei einer weltweiten Geheim-Organisation der Behörden geschnappt werden – Österreich war einer der Banden-Hotspots.

Rund 20.000 Kriminelle aus aller Welt haben in den letzten Monaten über die sogenannte AN0M-App kommuniziert. Sie glaubten sich in Sicherheit, planten über den Messenger Morde, teilten Fotos von tonnenweise Kokain und organisierten Deals. Was sie nicht wussten: das FBI hatte die App entwickelt und konnte jede ihrer Nachrichten mitlesen.

Harter Schlag gegen Verbrecher in Österreich

Nach monatelanger Vorarbeit durch das FBI, Europol und 15 weiteren Ländern kam es am Montag zu einem weltweit koordinierten Schlag gegen hunderte Verbrechersyndikate – auch in Österreich.

Alleine hierzulande wurden bei der Operation "Achilles" 67 Hausdurchsuchungen vor allem in Wien, Niederösterreich, Salzburg und Tirol durchgeführt. 81 Personen wurden dabei festgenommen, 35 Waffen, rund 707 Kilo Suchtgift und Bargeld in Höhe von 650.000 Euro sichergestellt.

Die Beschuldigten werden in die Justizanstalt Josefstadt nach Wien gebracht, bei 13 von ihnen wurde bereits ein Antrag auf Untersuchungshaft gestellt. Die Austro-Ermittler werden noch weitere Monate beschäftigt, alle sichergestellten Beweismittel auszuwerten.

Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) und Justizministerin Alma Zadic (Grüne) informierten im Beisein von Spitzenbeamten der Polizei und Staatsanwaltschaft sowie eines Vertreters des FBI am Mittwoch im Rahmen einer Pressekonferenz über die Operation, die international unter dem Namen "Trojan Shield" geführt wurde. 

Die Ermittlungen in Österreich hatten sich in erster Linie gegen die Organisierte Kriminalität gerichtet, die ihre Wurzeln auf dem Westbalkan hat. Dabei geht es vor allem um internationalen Suchtgift- und Waffenhandel, sowie schweren Begleitverbrechen, erklärte Generaldirektor für öffentliche Sicherheit Franz Ruf. 

Folterkeller in Wien

Besonders erwähnenswert sei die Festnahme eines wegen dreifachen Mordes in Serbien gesuchten Mannes, der sich zuvor schon in der Türkei und Griechenland versteckt hatte und nur wenige Tage in Wien aufhältig war. Bei ihm wurden auch 10 Kilo Heroin im Gepäck sichergestellt. Es handle sich bei ihm um einen der Anführer der Syndikate.

Darüber hinaus konnte auch eine Entführung in Serbien und eine schwere Misshandlung einer Person in Wien geklärt werden. Ein untergeordnetes Bandenmitglied, ein sogenannter Läufer, der bei der Organisation 2.000 Euro Schulden hatte, sei nach Wien verschleppt worden.

In einem Keller wurde er mit einem Hammer gefoltert und schwer verletzt – all das filmten die Verbrecher mit. "Man sieht dort, wie das Opfer jammert und um Hilfe bittet", schildert Ruf die grausigen Details.

Zudem wurde der Bruder des Mannes mit dem Umbringen bedroht.

Kampfansage

"Kriminelle Organisationen haben in Österreich keinen Platz", so die harte Ansage von Innenminister Nehammer. Er und Zadic sagen den Verbrechern den Kampf an: Dieser "unglaubliche Schlag" gegen die kriminellen Netzwerke sei "nur der Beginn", es würden noch "viele viele weitere" folgen.

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