Mit fast 50.000 Neuinfektionen wurde am Donnerstag ein neuer Rekordwert erreicht. Während Experten bereits die Wiedereinführung der Corona-Maßnahmen fordern, erklärte das Gesundheitsministerium, dass neuerliche Verschärfungen kurz nach der weitgehenden Öffnung der Bevölkerung "nicht vermittelbar" wären.
Laut den Prognosen der Experten wird auch die Zahl der Corona-Patienten in den Spitälern weiter ansteigen. "Die letzten Berechnungen zeigen, dass es schon wieder systemkritisch werden könnte. Diese Öffnungsschritte hätte man wahrscheinlich erst setzen dürfen, wenn tatsächlich ein stabiler Abwärtstrend sichtbar ist", betonte Epidemiologin Eva Schernhammer im "Ö1-Morgenjournal".
Nicht dringende Operationen werden bereits wieder verschoben. In Wien gab es diese Woche bei der Belegung auf den Normalstationen ein Rekordhoch mit über 600 Patienten.
Auch die Patientenanwältin Sigrid Pilz fordert im "Ö1-Morgenjournal" die Wiedereinführung der Corona-Maßnahmen. Dabei nannte sie etwa die FFP2-Maskenpflicht in allen Innenräumen, auch in Schulen, verstärktes Home Office und die Beibehaltung der Gratis-Tests. "Wir wissen, dass Kinder können schwer erkranken können und wenn sich alte Menschen infizieren, haben sie ein hohes Todesrisiko", so Pilz.
In den Spitälern fehlen viele Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen wegen den vielen Krankenständen. "Das Personal im Gesundheitsbereich ist bereits unter Druck und schwer belastet. Wir müssen aufeinander aufpassen und dürfen nicht darauf warten, bis die Systeme in einen kritischen Zustand kommen. Wenn die Durchseuchung so ansteigt, kommen auch mehr Menschen in die Spitäler", so die Patientenanwältin.
Wien wählte dabei immer einen sichereren Kurs. "Davon könnten sich die anderen Bundesländer etwas abschauen", meint Pilz. In den Tiroler Kliniken fehlen auf einzelnen Stationen bis zu 20 Prozent des Personals.