Im inneren Kreis rund um Ungarns Premier Viktor Orbán sollen Vertraute, darunter Jugendfreunde und Familienangehörige, große Vermögen angehäuft und nun zum Teil ins Ausland transferiert haben. Der designierte Ministerpräsident Péter Magyar, der mit dem Versprechen angetreten ist, die Korruption im Land zu bekämpfen, will diese auffälligen Vermögensverschiebungen genau überprüfen.
Laut Magyar werden aktuell hohe Geldsummen aus dem Umfeld Orbáns in Länder wie die Vereinigten Arabischen Emirate, die USA und Uruguay gebracht. Mehrere Oligarchenfamilien seien bereits aus Ungarn abgereist, hätten ihre Kinder von Schulen abgemeldet und Sicherheitskräfte für die Ausreise engagiert. Einigen werde auch nachgesagt, sie würden Ungarn dauerhaft verlassen wollen.
Wie orf.at berichtet, kursieren seit Tagen entsprechende Berichte über Vermögensverschiebungen in ungarischen Medien. Das investigative Portal Vsquare, die Nachrichtenseite 444.hu sowie internationale Medien wie der britische Guardian berichten, dass mit ungarischem Reichtum beladene Privatjets regelmäßig von Wien aus ins Ausland starten.
Péter Magyar hat die ungarischen Behörden dazu aufgefordert, die Betroffenen an einer Flucht in Staaten zu hindern, in denen eine Auslieferung unwahrscheinlich ist. Bereits im Wahlkampf hatte Magyar angekündigt, die Vermögensanhäufungen im Orbán-Umfeld der vergangenen 20 Jahre aufzuarbeiten und dafür eine eigene Behörde zur Rückholung von Staatsvermögen einzurichten.
Im Zentrum der Kritik steht etwa Lorinc Meszaros, ein langjähriger Jugendfreund Orbáns, der innerhalb einer Dekade zu einem der reichsten Männer Ungarns aufstieg. Meszaros' Firmenimperium reicht von Bau über Banken bis zum Tourismus. Laut Bloomberg stieg der Umsatz seiner Baufirma von weniger als einer Million Dollar vor Orbáns Amtszeit auf fast 200 Millionen Dollar – großteils durch öffentliche Aufträge und EU-Gelder.
Auch Orbáns Schwiegersohn Istvan Tiborcz steht im Fokus. Er lebt inzwischen mit seiner Familie in den USA, betreibt aber weiterhin Geschäfte in Ungarn und Österreich. Die von Magyar angekündigten Ermittlungen dürfte er von dort aus verfolgen. Laut Guardian beantragen zudem weitere Personen aus dem FIDESZ-Umfeld Arbeitsvisa für die USA und hoffen auf Posten im Netzwerk der konservativen MAGA-Bewegung.
Magyar wirft der bisherigen Regierung außerdem vor, nach der Wahlniederlage systematisch Dokumente in Ministerien und staatsnahen Unternehmen zu vernichten. Die neue Regierung will ab Mai mit den Untersuchungen beginnen. Die abtretende Regierung dementiert die Vorwürfe.