Armin Wolf ist einer der bekanntesten Journalisten des Landes, hat für den ORF inzwischen schon mehrere Tausend Interviews geführt. Alleine auf Facebook folgen ihm 300.000 Personen, auf Bluesky sind es knapp 70.000.
Für die kürzlich ausgestrahlte Sendung "Hinter den Schlagzeilen" mit Patrick Budgen und den YouTube-Podcast "rede!" von Christoph Bartos wechselte der ORF-Anchor auf ungewohnte Seite. Nicht er stellte hier die Fragen, sondern musste die Antworten geben. Dabei gab er ungeschönte Einblicke in seine eigene Kindheit, sein Privatleben und auch bizarre Erlebnisse im TV-Studio.
Auch zu seinen Kritikern fand Wolf dabei klare Worte. In manchen Kreisen ist der ZIB2-Moderator berüchtigt für seine pointierten Fragen, andere sehen seine Art der Interview-Führung als respektlos an. Politiker zu unterbrechen, sei jedoch eine Notwendigkeit, argumentiert der erfahrene Interviewer. Diese würden sonst zu häufig ungezügelt Wahlkampfreden monologisieren.
Mit der teils harschen Kritik, besonders im Internet, geht Wolf aber locker um. Diese sei prinzipiell vollkommen legitim: "Wenn Menschen sich einen Job in der Öffentlichkeit suchen, dürfen sie sich nicht darüber beschweren, wenn sie kritisiert werden. Das gehört dazu."
In Summe überwiege das Lob für seine Arbeit, betont er: "Wäre es nur Kritik, würde ich es wohl nicht mehr machen wollen und ich glaube, der ORF würde es mich auch nicht mehr machen lassen."
Allerdings gibt es ein extremes Gefälle zwischen Internet und Realität: "Ich bekomme auf Social Media und in E-Mails viele negative Reaktionen. Es kommen die absurdesten Beschimpfungen", schildert Wolf. Er habe bereits eine ganze Sammlung auf seinem Handy. Zwar werde er auch beinahe täglich auf der Straße angesprochen, allerdings sei er im echten Leben erst dreimal wirklich "blöd angeredet" worden.
Einmal ging auf das Konto eines Betrunkenen in einem Autobus in Jesolo. Ein andermal hatte ihn ein Unbekannter im Vorbeigehen "G'sindl" geheißen. Doch das dritte Erlebnis sticht alle anderen aus:
"Einmal hat mich jemand in der Innenstadt zehn Minuten wirklich sehr beschimpft – aber der war böse auf Armin Assinger", lacht Wolf. "Ich wurde angebrüllt quer über den Platz, weil die Millionenshow so tut, als wäre sie live, es aber gar nicht ist. Das hat ihn offenbar sehr erregt."
Eine Verwechslung war es nicht, erinnert sich der Tiroler. Der Wutbürger habe seinen Zorn offenbar einfach beim nächstbesten ORF-Angestellten entladen.
Allerdings war es nicht das einzige Mal, dass er angebrüllt wurde, erinnert sich Wolf. Gleich mehrere Politiker seien in seinen 23 Jahren ZIB2 so wütend über die gestellten Fragen gewesen, dass sie ihn nach dem Interview minutenlang niedergemacht hätten.
Einer dieser Vorfälle aus seinen ZIB2-Anfangsjahren ärgert den 59-Jährigen noch heute – allerdings anders, als man vermuten würde.
Aufhänger war damals die schwarz-blaue Pensionsreform bei den Eisenbahnern, die dadurch deutlich schlechter ausstiegen. Sein Studiogast, ein Staatssekretär, hatte jedoch Anspruch auf drei Pensionen in großer Höhe, wo nichts gekürzt wurde.
"Ich habe ihn halt gefragt, wie er das einem Eisenbahner erklärt. Da ist ihm keine vernünftige Antwort eingefallen", erinnert sich Wolf. Mehr hatte es nicht gebraucht! Der Staatssekretär sei direkt nach Ende des Interviews aufgesprungen und habe ihn mitten im Studio mit hochrotem Kopf angebrüllt: "Was das für eine wahnsinnige Schweinerei war und warum ich diese Frage gestellt habe."
Die Zuseher bekamen nur deshalb nichts davon mit, weil gerade ein vorproduzierter Beitrag eingespielt wurde. "Ich habe mir das angehört und fands eigentlich auch irgendwie amüsant", schildert der Anchorman heute. Aus dem Augenwinkel hatte er dabei den Countdown bis zur nächsten Live-Schaltung im Blick.
In wenigen Sekunden wäre der Wutausbruch des Politikers ganz Österreich sichtbar geworden. "Und habe dann einen Fehler gemacht, der mich bis heute ärgert. Ich habe gesagt: 'Herr Staatssekretär, der Beitrag ist gleich aus.' Woraufhin der am Absatz umdreht und immer noch brüllend aus dem Studio läuft."
Aus heutiger Sicht ein "totaler Anfängerfehler": "Ich ärgere mich seit 20 Jahren, dass ich dem das gesagt habe." Heute würde er auf die Uhr schauen, schweigen und "hoffen, dass die Regie in die Studiototale geht und man sieht, wie der Politiker da steht und mich anbrüllt", sagt Wolf.