Markovics im "Heute"-Gespräch

Oscar-Star als Alkoholiker: "Jeder kennt Liebesschmerz"

Im neuen Kinofilm "Sie glauben an Engel, Herr Drowak?" verkörpert Schauspielstar Karl Markovics eindrücklich einen Mann am Rande des Lebens.
Sandra Kartik
18.02.2026, 05:14
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Karl Markovics ist nichts Menschliches fremd. Der Oscar-Star ("Die Fälscher") taucht in seine Rollen mit einer Neugier und Intensität ein, die er auch im neuen Kinofilm "Sie glauben an Engel, Herr Drowak?" (ab 20. Februar) eindrücklich unter Beweis stellt. Er spielt Hugo Drowak, einen vom Leben gezeichneten, einsamen Alkoholiker, der durch eine unerwartete Freundschaft wieder Freude empfinden kann.

Die junge Lena (Luna Wedler) schafft es, sich nicht von seiner mangelnden Hygiene und seiner Unfreundlichkeit abschrecken zu lassen. Behutsam nähert sie sich dem bitter gewordenen Mann im Rahmen eines Sozialprojektes für kreatives Schreiben.

"Weiß nicht, wie ich es ohne Wunder geschafft hätte"

Das Eintauchen in die Rolle "war ein sehr intensives Erlebnis, allein schon, weil die Drehbedingungen fast wie am Theater waren. Die Wohnung, das Hauptmotiv meiner Figur, war ein Studiobau mit vier Wänden, die man aufmachen konnte, und Fenstern, die auf Hochhausfluchten hinausgingen", erzählt der 62-Jährige im "Heute"-Gespräch.

Karl Markovics schreibt sich in "Sie glauben an Engel, Herr Drowak?" seinen Schmerz von der Seele.
Ziegler Film Baden-Baden, X Verleih AG

"Ich war jeden Tag fast zwei Stunden in der Maske. Danach wurde das Latex-Klebezeug und die Alkohol-Schminke fast eine Stunde lang entfernt und die Haut gepflegt, damit sie diese Tortur so viele Wochen mitmacht. Allein diese Zeit war ein Reinkommen und ein Rausgehen in die Figur. Das ist ganz wichtig gewesen."

Im Laufe des Dramas wird auch klar, wie der Protagonist so tief fallen konnte – weil er von der Liebe seines Lebens verlassen wurde. "Jeder kennt Liebesschmerz aus eigener, leidvoller Erfahrung. Aber in Verbindung mit dem Verlust der eigenen Kreativität, dem Scheitern eines ganzen Lebens, also einer existenziellen Katastrophe – ich weiß nicht, wie ich es ohne ein Wunder oder ohne einen anderen Menschen geschafft hätte", sagt Markovics.

"Du bist nicht allein auf der Welt"

Genau darum geht es auch im Film des Schweizer Regisseurs Nicolas Steiner, bei dem es nicht an absurden Elementen fehlt. "Du bist nicht allein auf der Welt, auch wenn du es noch so sehr glaubst oder manchmal willst. Und du musst daran glauben, dass es noch etwas gibt, dass da noch jemand kommt." Für den Schauspieler war "diese unglaublich negative Kraft, die er in seinem Welt-, Menschen- und Selbsthass entwickelt, aber eine Energie, die man auch umdrehen kann. Das Spannende an dieser Figur ist, der war kein selbstmitleidiger Typ."

Nachzuvollziehen war auch, warum sich der Protagonist erst so gegen den Versuch von Lena wehrt, ihn aus seinem Elend rauszuholen. "Es kam ja nicht von ungefähr, dass er genau auf die so hinschießt. Verbitterte Menschen, die in ihrem Leben sehr enttäuscht wurden, schießen andere an und schauen, wie viel die vertragen und wie schnell die zurückschießen. Um sich zu schützen und sich zu bestätigen, dass alle Menschen schlecht sind."

Für Markovics steht der Film für viel mehr: "Es ist eine Art Märchen für Erwachsene. Das Schöne an dieser Parabel ist, dass die Realität auf eine gewisse Art absurder ist als vieles, was er sich da so zusammenfantasiert. Dass das ja nicht nur vom Alkohol kommt, sondern, dass unsere Welt ja tatsächlich oft sehr absurd ist."

{title && {title} } sk, {title && {title} } Akt. 18.02.2026, 09:36, 18.02.2026, 05:14
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