Österreichischer Fan entlarvte den BVB-Bomber

Im April erschütterte das Bombenattentat auf Borussia Dortmund die Sportwelt. Der mutmaßliche Täter wurde von einem Österreicher überführt.

Ein lauter Knall. Fliegende Metallsplitter. Panik unter den Spielern von Borussia Dortmund. Am 11. April wurde ein Bombenattentat auf den Spielerbus des deutschen Top-Klubs verübt. Marc Bartra wurde an der Hand verletzt, musste operiert werden. Die Spieler, das Trainerteam und der Busfahrer schrammten haarscharf an einer Katastrophe vorbei, kamen alle mit dem Leben davon.

Österreicher entlarvt Täter



In den Stunden und Tagen nach dem Anschlag herrschte große Verwirrung. Bekennerschreiben deuteten auf einen IS-Anschlag hin. Spuren führten auch in die rechts- und linksextreme Szene. Die Ermittler hatten es einzig dem Zufall und der Eingebung eines österreichischen Fans zu verdanken, dass sie dem mutmaßlichen Täter auf die Spur kamen. Das perfide Tatmotiv lautete Habgier. Der dringende Tatverdächtige muss sich ab Donnerstag vor Gericht verantworten. Er soll mit Put-Optionsscheinen auf den Sturz der BVB-Aktien gesetzt haben. Der Bombenanschlag sollte diesen Herbeiführen. Ein 47-jähriger Bad Ischler legte ihm das Handwerk.

Rudolf S. erklärte den OÖNim Interview: "Ich sehe mich nicht als Held. Ich bin froh, dass ich zur Klärung des Anschlags auf meinen Lieblingsklub beitragen konnte." Er war es, der den Ermittlern den entscheidenden Hinweis gab. Ohne ihn wäre der mutmaßliche Täter Sergej W. wohl immer noch auf freiem Fuß. Wie der Spiegelberichtet, habe er schon kurz nach dem Anschlag nach neuen Zielen gesucht.

So überführte er Sergej W.



Denn reich wurde er durch das Attentat nicht. Da zum Glück alle BVB-Spieler überlebten, hielt sich der Fall des Aktienkurses in Grenzen. Statt der kalkulierten halben Million Gewinn wurden es rund 5700 Euro. Die Put-Optionen waren es aber, die zu seiner Identifikation führten.

Rudolf S. ist ein Aktienexperte, der sein Geld mit dem Handel von Wertpapieren verdient. Als glühender BVB-Fan besitzt er Aktien seines Lieblingsklubs. Er ist außerdem im Besitz von Put-Optionsscheinen, die im Fall eines Kurssturzes als Absicherung dienen würden. Am Abend des Anschlags schaute er zufällig nach, wie viel die Papiere zu diesem Zeitpunkt wert waren. Dabei geriet Sergej W. ins Visier des Bad Ischlers.

Der Österreicher entdeckte, dass jemand 15.000 Optionsscheine gekauft hatte, eine ungewöhnlich hohe Zahl. Stunden nach den Berichten über den Bombenanschlag erinnerte er sich an diese Beobachtung, zog die richtigen Schlüsse. "Daraufhin habe ich die Polizei in Dortmund kontaktiert." Man habe ihn aber nicht ernst genommen.

Ein Brief an den BVB-Anwalt änderte das. Der Klub kontaktierte die Commerzbank . Die Bank erstattete eine Anzeige wegen Geldwäsche. Die Ermittler kamen Sergej W. endlich auf die Spur. Er hatte den Kauf der Wertpapiere über das WLAN des Hotels L'Arrivée abgeschlossen. Es war jenes Hotel, in dem die Dortmunder untergebracht waren, vor dem die Bomben gezündet wurden.

Sergej W. - Profil des BVB-Bombers



Sergej W. wurde geschnappt. Ab heute steht er vor Gericht. Sergej W. bestreitet bis dato seine Schuld. Zuletzt schwieg er. Seine Verteidigung argumentierte im Vorfeld des Prozesses, dass er gar nicht die Absicht gehabt habe, zu töten. Er habe den Sprengsatz absichtlich zu hoch angebracht. So sei es zu erklären, dass nur wenige Metallteile in den Bus eindrangen.

Berichte von Wegbegleitern, Nachbarn, einer ehemaligen Lehrern zeichneten das Bild eines Außenseiters. Der 28-Jährige wuchs in Russland auf, wanderte nach Deutschland aus. Dort lebte er zurückgezogen, ängstlich, zwischenmenschlich reduziert. Außer seiner Familie stand ihm nur seine Freundin, eine streng gläubige junge Dame, nahe. Knapp zwei Monate vor dem Attentat hatte sie die Beziehung beendet.

Ansonsten ist sein Leben geprägt von Schwierigkeiten im Umgang mit seinen Mitmenschen. Sergej W. soll nie Freunde gehabt haben, in der Schule möglicherweise Opfer von Mobbing-Attacken geworden sein. Er leidet an Depressionen, soll in der Vergangenheit mehrfach versucht haben, sich das Leben zu nehmen.

Der mutmaßliche Täter will wahrgenommen werden. Sergej W. stammt aus ärmlichen Verhältnissen. Sein Leben: "Arbeiten und einkaufen." Der junge Mann ist chronisch einsam, sehnt sich nach Liebe und einem Leben in Luxus. Mit dem Attentat wollte er Letzteres erreichen. Die Schicksale der Opfer, die möglichen Auswirkungen seiner Taten, scheinen ihn nicht zu kümmern.

(S. Klein)

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