Der Davis Cup in Groningen steht für Österreichs Team unter keinem guten Stern: Nach der Absage des verletzten Alexander Peya und einer kurzfristigen Erkrankung von Andreas Haider-Maurer droht dem ÖTV-Team erstmals seit 2010 der Abstieg in die Europa-Afrika-Zone. Sowohl Jürgen Melzer als auch Oliver Marach verloren ihre Auftaktspiele.
Melzer musste sich in seinem 28. Davis-Cup-Länderkampf (ÖTV-Rekord) als Favorit der niederländischen Nummer zwei, Thiemo de Bakker (ATP-Nr. 108), nach 3:37 Stunden mit 7:5,5:7,7:5,4:6,1:6 beugen. Er war mit dem 0:1 im Rücken und der Gewissheit, dass die aktuelle rot-weiß-rote Nummer zwei, Haider-Maurer, krank das Bett hütet, in seine Partie gegangen. Gegen de Bakker war er aber trotzdem zunächst auf Siegeskurs. Nach gewonnenem ersten Satz hatte Melzer bei 5:4 zwei Satzbälle vorgefunden, musste aber den Satzausgleich hinnehmen.
Melzer: "Sehr bitter"
Der frühere Weltranglisten-Achte und aktuell ATP-27. steckte diese Enttäuschung vor 4.000 frenetischen, aber fairen Zuschauern im MartiniPlaza-Stadion gut weg. Melzer fightete zurück, schaffte das Break zum 7:5 in Satz drei und hatte bei 3:2 Breakball zum 4:2 im vierten Satz. Dieser blieb ungenützt und im neunten Game fiel wohl die Vorentscheidung: Nicht zuletzt dank zweier Doppelfehler gab Melzer seinen Aufschlag zum 4:5 ab und de Bakker ließ sich den Satz nicht mehr nehmen. Im letzten Durchgang nützte der Niederländer das Momentum, während Melzer nicht mehr sein bestes Tennis abrufen konnte.
"Es ist natürlich schade, dass man das dann verliert. Ich glaube, dass ich die ersten vier Sätze wirklich ganz gutes Sandplatztennis gespielt habe. Dass es am Ende nicht reicht, ist sehr bitter und tut mir auch sehr leid für das gesamte Team", sagte Melzer und ergänzte, "natürlich weiß jeder, wie schwierig es ist, ein 0:2 aufzuholen." In der Tat ist es Österreichs Davis-Cup-Team überhaupt noch nie gelungen, dieses Kunststück zu schaffen.
Doppel soll es richten
Melzer ist sich bewusst, dass der Klassenerhalt nun in Weite Ferne gerückt ist. "Man muss jetzt mal abwarten, ob Andy bis Sonntag fit wird, weil sonst wird es ganz schwer." Noch ist nicht entschieden, mit welchem Duo Österreich am Samstag einläuft. "Wir haben ein starkes Doppel, wir stehen mit dem Rücken zur Wand und wir müssen schauen, dass wir jetzt am Sonntag noch am Leben sind."
Auch dem Davis-Cup-Kapitän Clemens Trimmel waren die Aufregungen des Tages ins Gesicht geschrieben. "Das nimmt einen natürlich mit, man leidet mit, man feiert mit und wenn es dann am Ende des Tages 0:2 steht, ist man enttäuscht." Insgeheim hatte er auf ein 1:1 nach dem ersten Tag gehofft, doch der Tag habe mit der Botschaft von der Erkrankung des zweitbesten Einzelspielers schon schlecht begonnen. Ersatzmann Oliver Marach, der für den über Nacht erkrankten Haider-Maurer eingesprungen ist, musste sich der Nummer eins der Gastgeber, Robin Haase, nach 1:59 Stunden mit 4:6,3:6,1:6 glatt geschlagen geben.
Hoffnung stirbt zuletzt
Trimmel denkt jetzt noch nicht an den Sonntag, sondern legt den Focus auf das Doppel. "Das große Ziel ist es jetzt, den Länderkampf zu verkürzen. Ich bin sehr optimistisch für das Doppel." Freilich haben die Niederlande nun alle Karten in der Hand. Das ÖTV-Team hat zuletzt 2010 beim Weltgruppen-Play-off in Tel Aviv auswärts eine tolle Aufholjagd geschafft, als es nach dem Samstag 1:2 gestanden war. Ein 0:2 aufzuholen, ist allerdings noch schwieriger. Doch wie heißt es immer wieder? Im Davis Cup ist alles möglich.
APA/red