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Özil legt nach und schießt gegen Sponsoren und DFB

Mesut Özil hat seine Sprache nach dem WM-Debakel wiedergefunden. Nach seiner Erklärung des Erdogan-Fotos rechnet er jetzt weiter schonungslos ab.

Heute Redaktion
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70 Tage hat Mesut Özil gebraucht, bis er sich zu den umstrittenen Fotos mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayip Erdogan im Vorfeld der WM äußerte.

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Özil bricht Schweigen und verteidigt Erdogan-Foto

Doch das war nur der erste Teil von Özils großer Abrechnung. Auf Twitter legt der 92-fache deutsche Nationalspieler und Weltmeister von 2014 nach. Diesmal im Fokus: Die Rolle der Medien, das Verhalten der Sponsoren und der Deutsche Fußballbund.



"Gewisse deutsche Zeitungen nutzen meinen Hintergrund und mein Foto mit Präsident Erdogan als rechte Propaganda um ihre politischen Ziele zu voranzutreiben. Wieso sonst haben sie Bilder und Schlagzeilen mit meinem Namen als direkte Erklärungen für die Pleite in Russland benutzt?", ärgert sich Özil. "Sie haben nicht meine Leistungen kritisiert, sie haben nicht die Teamleistungen kritisiert. Sie haben nur meine türkischen Wurzeln und den Respekt für meine Herkunft kritisiert. Das überschreitet eine persönliche Linie, die niemals überschritten werden sollte, da Zeitungen versuchen, die deutsche Nation gegen mich aufzubringen."

"Zielscheibe" wegen "türkischem Erbe"?



Am Beispiel Lothar Matthäus macht Özil eine "Doppelgleisigkeit" beim DFB aus. "Lothar Matthäus (ein deutscher Ehrenspielführer, Anm. der Red.) traf sich vor ein paar Tagen mit einem anderen Staats-Chef (Russlands Wladimir Putin, Anm. d.Red.) und wurde von den Medien dafür kaum kritisiert", wundert sich der 29-jährige Arsenal-Legionär. "Trotz seiner Rolle beim DFB, wurde er nicht gebeten, seine Aktionen öffentlich zu erklären. Statt dessen repräsentiert er die deutschen Spieler weiterhin ohne dafür gerügt zu werden. Wenn die Medien dachten, dass ich aus dem WM-Kader gestrichen werden sollte, dann sollte er sicherlich auch seine Ehrenspielführer-Binde abziehen? Macht mich mein türkisches Erbe zu einer würdigeren Zielscheibe?"

Auch für Mercedes, einen der Großsponsoren der deutschen Nationalmannschaft, findet Özil kritische Worte und spielt dabei auf den "Abgas-Skandal" an: "Nach meinem Foto mit Präsident Erdogan haben sie mich aus den Kampagnen gestrichen und sagten alle geplanten Werbe-Aktivitäten ab...Das ist alles ironisch, da ein deutsches Ministerium erklärt hat, dass ihre Produkte illegale und unautorisierte Software besitzen, was die Kunden in Gefahr bringt. Tausende ihrer Produkte werden zurückgerufen. Während ich kritisiert wurde und vom DFB gebeten wurde, meine Taten zu rechtfertigen, gab es keine solche offizielle und öffentliche Erklärung, die vom DFB-Sponsor verlangt wurde."

(Heute Sport)