Das Schicksal einer alleinerziehenden Mutter aus der Steiermark sucht seinesgleichen. Die gebürtige Wienerin Nicole T. (47) leidet seit Jahren an einer Vielzahl an Krankheiten. Trotz eines massiven Schicksalsschlags, bei dem sie beinahe alles verlor, einer schmerzlichen Trennung, der Lungenkrankheit COPD 3, einer Form von Lupus, einer chronischen Nierenentzündung namens Nephritis, ebenfalls Stufe 3, und inzwischen auch noch Parkinson meistert sie ihren Alltag – so gut es eben geht.
Der 47-Jährigen macht aber nicht nur die schlechte Gesundheit, sondern auch das Gesundheitssystem, mit dem sie sich notgedrungen auseinandersetzen muss, schwer zu schaffen. "Ständig wird gezweifelt, ob ich wirklich so krank bin", klagt die Betroffene in "Heute". Zu Hause muss sie mit Holz heizen, hängt sie oft am Sauerstoff, kann Stiegen an schlechten Tagen nur sitzend herunterrutschen und ist des Nachts auf einen Leibstuhl angewiesen.
Selbst selbstständiges Essen ist neuerdings fast nicht mehr möglich. "Ich zittere mit den Fingern so stark, dass mir alles vom Löffel fällt, auch Tabletten kann ich nicht aus der Verpackung drücken, geschweige denn Brot schneiden." Neben den geschilderten Krankheiten leidet die gebürtige Wienerin auch noch an dem Gendefekt Faktor-V-Leiden und entzündeten Wunden (Vaskulitis) – sie musste kürzlich sogar eine Chemotherapie durchmachen. "Schmerzfrei gibt es bei mir nicht. Jeder Tag richtet sich nach den Krankheiten. Ein normales Leben kann ich mir nicht vorstellen", sagt sie.
Brisant: Von 2016 bis 2019 war die Betroffene, die einen dauerhaften 80-prozentigen Behindertenausweis hat, bereits auf Pflegestufe 2 eingestuft. Doch aufgrund ungeplanter Ereignisse wurde ihr Pflegeanspruch vorübergehend abgelehnt, später nur noch auf Stufe 1 genehmigt. "Ein Grund war damals auch, dass meine Handschrift zu gut leserlich war. Dabei hat mir meine Tochter den Brief verfasst", erklärt die Frau, die seither mit Gutachtern im Dauerclinch liegt.
Ärztliche Diagnosen aus dem Spital seien ignoriert und kleingeschrieben worden, Fakten wie ihr von der ÖGK verordnetes Sauerstoffgerät oder der benötigte Leibstuhl wurden bei der Einstufung schlicht ignoriert – das Gutachten sei "völlig falsch" und "unzulässig", bringt sie vor und klagt nun mit der Arbeiterkammer. Obwohl sie Rehageld 1.100 Euro und eine Behindertenpauschale von 210 Euro plus 200, 80 Euro Pflegegeld bezieht, muss sie "jeden Cent umdrehen", so die Mutter zweier minderjähriger Kinder. Ihr gehe es nicht (nur) um 180 Euro mehr im Monat, "sondern ums Prinzip".
Nun will sie auch zeigen, "wie hierzulande mit kranken Menschen umgegangen wird". Bei der PV bestätigte man auf "Heute"-Anfrage das laufende Verfahren, wollte es nicht weiter kommentieren. Nicole T. fragt sich: "Wie kann es sein, dass man von Menschen hört, die gesund im Rollstuhl sitzen und Pflegegeld kassieren – und bei mir ist es ein ewiger Kampf um ein paar wenige Euro".