Die Ortschef von Judenau-Baumgarten (Georg Hagl), Langenrohr (Leopold Figl) und Michelhausen (Bernhard Heinl) wandten sich in einem Schreiben an die ÖBB und das Land. Die Ortschefs fordern eine rasche Erweiterung der Park&Ride-Anlage beim Bahnhof Tullnerfeld.
"Die Parkplatzsituation hat sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich verschärft. Bereits in den frühen Morgenstunden sind oft sämtliche Stellplätze im Parkhaus und auf den Freiflächen belegt", so die drei Bürgermeister.
Viele Pendler würden auf Flächen ausweichen, "die dafür nicht vorgesehen sind". Rund 70 Fahrzeuge parken zudem auf einer Fläche, die wegen des bestehenden Baurechts nicht als Parkplatz genutzt werden dürfte. Als kurzfristige Entlastungsmaßnahme verweisen die Gemeinden auf die 170 Stellplätze im Parkhaus.
Die drei Standortgemeinden hätten in den vergangenen Jahren "wiederholt eigene Flächen zur Verfügung gestellt und erhebliche finanzielle Mittel aufgewendet, um provisorische Entlastungsmaßnahmen für die Pendlerinnen und Pendler zu ermöglichen. Die Möglichkeiten der Gemeinden seien jedoch ausgeschöpft. Weitere Lösungen könnten weder finanziell noch aufgrund fehlender geeigneter Flächen dauerhaft von den Gemeinden getragen werden", heißt es.
In ihrem Schreiben regen die Gemeinden an, die Erweiterung der Park&Ride-Kapazitäten zur verkehrspolitischen Priorität zu machen und die notwendigen Entscheidungen gemeinsam mit den zuständigen Stellen rasch voranzutreiben. Klar sei: Wer den Umstieg auf die Bahn fördern wolle, müsse auch ausreichend Parkmöglichkeiten bereitstellen.
Das Thema ist bei der ÖBB-Infrastruktur bekannt. Die drei Bürgermeister waren am 10. Juni zu einem gemeinsamen Termin mit den Verantwortlichen der ÖBB-Infrastruktur AG zu Gast, bei dem dieses Thema besprochen wurde, heißt es auf Anfrage seitens der ÖBB.
Aus Sicht der ÖBB-Infrastruktur AG ist das Problem nicht zuallererst durch einen weiteren Ausbau zu lösen, zumal diese bereits jetzt die drittgrößte P&R-Anlage in Niederösterreich ist.
ÖBB-Sprecher Christopher Seif betont: "Zur Verbesserung der Situation werden einerseits bereits Maßnahmen in Zusammenarbeit mit dem Land und den Gemeinden ergriffen, um die öffentliche Mobilitätskette zum Bahnhof Tullnerfeld zu stärken (Mikro-ÖV-Angebote, Zubringerbusse); andererseits können durch eine Parkraumbewirtschaftung mit Zufahrtssystem zur Sicherstellung der widmungskonformen Nutzung (d.h. nur Kurzzeitparken für Pendler:innen und Tagesreisende mit gültigem Ticket), die vorhandenen Parkplätze besser und zielsicherer ausgenützt werden. Ein Faktor für die derzeit hohe Auslastung der Stellplätze in Tullnerfeld sind Dauerparker, welche die kostenlose P&R-Anlage während längerer Reisen dauerhaft (d.h. länger als die 5 Tage, die die Anlagenwidmung eigentlich erlaubt) nutzen und vom Tullnerfeld aus beispielsweise zum Flughafen Wien fahren."
Zur Umsetzung dieser Parkraumbewirtschaftung laufen derzeit Gespräche mit dem Land NÖ. In eine solche Parkraumbewirtschaftung sollten auch jene Etagen des dortigen Parkdecks einbezogen werden, welche derzeit von den Gemeinden verwaltet werden – auch dazu gibt es Gespräche.
Durch die Umsetzung des Zufahrtssystems "ist aus den Erfahrungen von anderen Standorten eine Entspannung der Parksituation zu erwarten. Weitere Ausbauten der P&R-Anlage sind daher derzeit nicht in Planung".
Diese Art der Sicherstellung der widmungskonformen Nutzung durch ein Zufahrtssystem wurde 2022 gestartet und wird in erster Linie auf die stark frequentierten Park&Ride-Anlagen bzw. Parkdecks im Umland von Wien ausgerollt.
Derzeit ist das Zufahrtssystem etwa an folgenden Bahnhöfen im Einsatz (Anm.: Auswahl): Amstetten, Baden, Gerasdorf bei Wien, Hollabrunn, Klosterneuburg-Kierling, Korneuburg, Leobersdorf, Melk, Mödling, St. Pölten, Stockerau, Wien Süßenbrunn, Wr. Neustadt, Wolf in der Au, Krems.